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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
Entstehung
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ein trauriges Andenken jener Schrecken.... Doch faſſe Muth, mein Kind, und höre mich zu Ende!*

„Es iſt nutzlos Dir zu beſchreiben, in welcher Geiſtes⸗ verwirrung ich meinen Bruder fand und wie ich ſtunden⸗ lang mich anſtrengen mußte, um einen ſchwachen Lichtſtrahl in ſein verfinſtertes Gemüth zu bringen. Nur ein Mittel gab es, um ſeine Ehre und zugleich ſein Leben zu retten; aber was für ein Mittel! Großer Gott! ich mußte die we⸗ nigen Güter, die ich beſaß, für die Schulden meines Bru⸗ ders verpfänden, den Hof unſerer Väter, den Brautſchatz Deiner Mutter, Dein ganzes Erbtheil, Lenora— Alles, Alles wagen mit der Ueberzeugung, den größten Theil davon für immer zu verlieren. Unter dieſer Bedingung konnte die Ehre meines Bruders und zugleich ſein Leben erhalten werden, denn nur unter dieſer Bedingung konnte er von dem Vorhaben, ſeiner Schande ein Ende zu machen, ab⸗ gehalten werden. Er war es nicht, der dies von mir ver⸗ langte, im Gegentheil, er ſetzte nicht voraus, daß ich dies rhun könne, noch wolle Aber ich hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß er ſeinen verbrecheriſchen Vorſatz ausführen werde, wenn ich nicht durch die größten Opfer unverzüglich ſeine Sachen ordnete.— Und doch durfte ich mich nicht ſogleich dazu entſchließen!“

„Wie?» rief Lenora erſchreckt,„mein Vater, Du haſt Dich geweigert?“

Ein ſtilles Lächeln trat auf das Antlitz des Vaters. „Lenora,» ſagte er,„ich liebte meinen Bruder; aber mehr noch liebte ich Dich, mein einziges Kind. Was man von mir verlangte, war Armuth für Dich und für deine Mutter.... Dieſer Gedanke zerfleiſchte mir auf der einen Seite das Herz, während auf der andern der Ge⸗ danke an die fürchterliche Lage meines Bruders nagte. End⸗