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weiß, welches Unglück mir ſo lange die Liebe meines Va⸗ ters geraubt. Wie groß auch meine Ehrfurcht vor Dir iſt, meine Pflicht ſpricht lauter als ſie in meiner Bruſt! Ich will, ich muß das Geheimniß deiner Leiden kennen lernen!“
„Was Dir die Liebe deines Vaters geraubt?— Das Geheimniß meiner Leiden iſt meine Liebe zu Dir, mein theures, mein angebetetes Kind! Zehn Jahre lang habe ich den Kelch der bitterſten Leiden geleert, und Gott täglich ge⸗ beten, Dich glücklich werden zu laſſen. Aber ach, er hat all' mein Flehen verworfen!“
„Alſo ich ſoll unglücklich ſein?“ fragte Lenora ohne die geringſte Bewegung.
„Unglücklich durch Armuth! Der Schlag, welcher uns trifft, beraubt uns aller unſerer Güter— wir werden Grin⸗ ſelhof verlaſſen müſſen!“
Dieſe letztere Mittheilung ſchien das Mädchen mit der größten Beſtürzung zu erfüllen, denn ſie beſtätigte ja ihre Furcht; ſchnell aber bekämpfte ſie dieſe Aufregung.
„Und nicht, weil dieſer Schlag Dich trifft, Vater, nicht deßhalb ſtirbſt Du langſam hin— ich kenne ja deine un⸗ überwindliche Seelenkraft— nein, weil deine Lenora dieſe Armuth theilen ſoll— deßhalb leideſt Du! Habe Dank für all deine Liebe! Aber wenn man mir alle Reichthü⸗ mer der Erde anböte unter der Bedingung, daß Du nur einen einzigen Tag leiden ſollſt, glaubſt Du, ich würde ſie annehmen ²
Sprachlos und verwundert ſchaute der Edelmann ſeine Tochter an, deren Augen ſo heldenmüthig glänzten. Ein lei⸗ ſer Handdruck war ſeine einzige Antwort.
„Gott hat uns ja gelaſſen, was uns auf Erden das Theuerſte iſt, warum alſo klagen? O faſſe wieder Muth, mein Vater; welches auch das Loos ſei, das unſer wartet,
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