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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
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der Leiden meines Vaters, das ich vergebens zu löſen ſuchte!ꝰ

Lenora verſank in tiefes Nachdenken. Allmälig ver⸗ klärte ſich ihr Antlitz wieder, ihre Lippen bewegten ſich und ihre Augen leuchteten. Waͤhrend ſie ſo ſich zum Kampfe gegen das Schickſal zu rüſten ſuchte, ſah ſie den alten Wa⸗ gen auf den Hof fahren; ſie ſah ihren Vater gefühllos mit geſenktem Haupt in der Chaiſe ſitzen.

Tief erſchüttert von dieſem Anblick vermochte ſie kein Wort zu ſprechen; ſchweigend ließ ſie den Vater ins Haus treten und blickte ihm nach; dann aber faßte ſie ſich wieder. „Soll,“ ſprach ſie zu ſich ſelbſt,„ein falſches Ehrfurchts⸗ gefühl mich noch länger zurückhalten? Soll ich meinen Va⸗ ter ſterben laſſen?— Nein, ich muß Alles wiſſen, muß den Wurm aus ſeinem Herzen reißen, ihn retten durch meine Liebe! 3

In dem letzten der Zimmer, welche ſie durcheilte, fand ſie den Vater ſitzen— ſeine Augen waren feucht; er weinte.

„Barmherzigkeit für mich, mein Vater!? rief ſie zu ſeinen Knieen hinſtürzend.„Ich flehe Dich auf meinen Knieen an, laß mich um deinen Kummer wiſſen, ſag' mir, was Dir das Herz erdrückt! Laß mich erfahren, warum mein Vater ſo einſam weint!“

„Lenora, Du mein Alles, was mir auf Erden übrig bleibt! ſeufzte der Edelmann mit trübem Lächeln, während er ſie aufhob;„ich habe Dir viel Kummer gemacht, nicht wahr!— O komm, ſuche deine Zuflucht an meiner Bruſt— ein böſer Schlag ſteht uns bevor, der uns vernichten wird, mein Kind!)

„»Mein Vater!» rief Lenora,„ich komme, um zu erfahren, warum Du leideſt; ich ſtehe nicht auf, ehe ich Der arme Edelmann. 6