Muth dazu, noch auf Grinſelhof zu erſcheinen nach dem Schimpf, der meinem Vater widerfahren iſt. Jetzt liegt er krank zu Bette; ſein Gemuth vermochte dieſe Schmach nicht zu ertragen; das Fieber hat ihn ergriffen.— Iſt dieß der Lohn für meine Neigung für Sie 2
„Gott, Lenora, Sie machen mir Vorwürfe! Was habe ich denn Böſes gethan?“ rief der Jüngling erſchreckt.
„Es iſt keine Gemeinſchaft mehr zwiſchen uns,“ ſagte das Maͤdchen;„ſind wir auch nicht ſo reich wie Sie, mein Herr, ſo erträgt das Blut, das in uns fließt, doch keine Be⸗ leidigung!— Stehen Sie auf; entfernen Sie ſich— ich mag Sie nicht mehr ſehen!
„Gnade, Barmherzigkeit!“ flehte Guſtav, die Hände bittend zu ihr erhebend;„ich bin unſchuldig, Lenora!“
Das Mädchen zerdrückte eine Thräne, die ihrem Auge zu entrinnen drohte und wandte ſich von ihm, um zu gehen.
»O Grauſamkeit!“ klagte der Jüngling verzweifelt. „Sie verlaſſen mich fuͤr immer, ohne Lebewohl, ohne Troſt! Sie bleiben taub für meine Bitten, gefuͤhllos für meinen Schmerz!— Ich will mein Loos ertragen.— Sie haben es gewollt!*
Er ſprang auf und lehnte ſein Antlitz auf den Tiſch, bittere Thränen vergießend.„Lenora, Freundin! Sie ver⸗ urtheilen mich zum Tode! Ich vergebe Ihnen— ſeien Sie glücklich— Leben Sie wohl für ewig!“
Bei dieſen Worten ſuchte er ſich zu erheben, doch ver⸗
ſagten ſeine Glieder ihm den Dienſt, er ſank wieder auf den Stuhl und ſeine Arme fielen kraftlos auf den Tiſch.
Lenora hatte etwa drei Schritte gethan, um ſich zu entfernen; die Klagen des Jünglings aber hatten ſie aufgehalten. Man ſah es ihr an, daß in ihr ein Kampf zwiſchen Pflichtgefühl und Liebe vor ſich ging. Endlich ſchien
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