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„Mein Herr! rief der Edelmann mit funkelndem Blicke,„ſprechen Sie mit Achtung von meiner Tochter! Arm oder reich— vergeſſen Sie nicht, wer ſie iſt!“
„Seien Sie nicht böſe, Herr von Vlierbeke! ant⸗ wortete der Kaufmann,„ich will Ihrer nicht ſpotten. Weit entfernt— waͤre Ihnen Ihre Abſicht gelungen, ich würde Sie vielleicht bewundert haben. Aber da Sie ſo delicat im Punct der Ehre ſind, ſo möchte ich Sie doch fragen, ob Sie gegen meinen Neffen rechtlich handelten, indem Sie ihn anlockten und dieſe unglückliche Neigung in ſeinem Her⸗ zen Wurze faſſen ließen 20
Der Edelmann ſenkte das Haupt, um die Schamröthe 3
zu verbergen, welche ſeine Stirn bedeckte. So blieb er re⸗ gungslos ſitzen.
»Nun?“ fragte der Kaufmann.
„Ach,“ ſeufzte der Arme,„haben Sie Mitleid mit mir! Vielleicht hat mich die Liebe zu meinem Kinde irre geführt.— Gott hat meine Lenora mit all den Ga⸗ ben verſehen, die ein Weib auf Erden ſchmücken können; ich glaubte, daß ihre Schönheit, die Reinheit ihrer Seele, das edle Blut, das in ihren Adern fließt, wenigſtens eben ſo koſtbar wie Geld...*
„Ja wohl, für einen Edelmann vielleicht; aber für einen Kaufmann nicht!“ murmelte Denecker.
„Werfen Sie mir nicht vor, ich hätte Ihren Neffen angelockt! Dies Wort verletzt mich tief— es iſt ungerecht; da ich aber in Guſtav und Lenora gleichzeitig die Liebe ſich entwickeln ſah, ſo habe ich allerdings dieſe Neigung nicht zu unterdrücken vermocht— im Gegentheile, ich habe Gott


