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„Guſtav!“ rief das Mädchen unwillkürlich in ei⸗ nem Ton von Ueberraſchung und Freude, während die Röthe der Scham ihre Stirn bedeckte.
„Ja, es iſt Guſtav“ antwortete Herr von Vlier⸗ beke.„Bebe deßhalb nicht, Lenora, und ſei nicht er⸗ ſchrocken vor mir, weil deine Seele ſich, ihrer ſelbſt unbe⸗ wußt, einem neuen Gefühl öffnet. Zwiſchen Dir und mir kann kein Geheimniß beſtehen, das meine Liebe zu Dir nicht zu ergründen im Stande wäre.*
Das Maͤdchen blickte ihrem Vater tief in die Augen und ſchien in ſeinem milden Blick die Erklärung eines Räthſels zu ſuchen. Plötzlich, als ſei mit einem Male ein Licht in ihr aufgegangen, ſchlang ſie den Arm um ſeinen Hals und verbarg ihr Antlitz an ſeiner Bruſt.
„Vater, lieber Vater,“ ſeufzte ſie mit feuriger Dank⸗ barkeit,„deine Güte iſt unendlich!“
Der Edelmann nahm eine Zeit lang die Liebkoſungen ſeiner Tochter hin. Dann aber umdunkelten ſich allmälig ſeine Geſichtszüge und eine Thräne trat in ſein Auge.
„Lenora,“ ſagte er mit tiefem Gefühl,„Du wirſt deinen Vater ſtets ſo lieb haben, nicht wahr?“
„Ach immer, immer!“ rief das Madchen.
„Lenora, mein Kind,“ ſeufzte der Vater weiter, „deine Liebe iſt mein Lohn und mein Leben auf Erden. Raube aber meiner Seele nie dieſen einzigen Troſt!“
Der traurige Ton ſeiner Stimme erſchreckte das Mad⸗ chen dermaßen, daß ſie ſprachlos ſeine Hand ergriff und das Haupt an ſeine Bruſt gelehnt ſtill zu weinen begann.
Einige Augenblicke verblieben Beide ohne Bewegung und hingeriſſen von ihren Gefühlen in dieſer Stellung. Ihre Aufregung war weder Trauer noch Freude, doch in ihrer Tiefe mit beiden vermiſcht.


