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„Fano ſprach immer von tauſend und zehntauſend,“ ſagte Matteo ſinnend.„Was er damit meinte, wiſſen wir nun freilich nicht, aber es könnte doch ſein, es hätte auf den Jungen da Bezug und es bedeute Geld. Ich dächte, wir behielten den Jungen da bei uns und zögen ihn auf, wie es eben gehen will, vielleicht kommt dann einmal durch ihn eine Summe Geldes in's Haus.“
So geſchah es auch. Der Knabe— die Hinterlaſſenſchaft Fano's— blieb in der Hütte Matteo's, wurde Luigi genannt und gleich dem eigenen Kinde erzogen. Weder Matteo, noch ſeine Frau gaben ſich irgend eine Mühe, etwas von der Abkunft des Knaben zu entdecken, und überdies verließen ſie ſchon in den erſten Wochen die Gegend und zogen tiefer in das Gebirge und wechſelten im erſten Jahre den Wohnſitz mehrere Male.
Weil das Ehepaar nicht im Geringſten wegen dem Knaben Er⸗ kundigungen einzog, erfuhr es auch ſpäterhin nichts, und bald war wohl überhaupt vergeſſen geweſen, daß ein Knabe geraubt worden. Man vergaß dieſes umſomehr, als ja das geraubte Kind mit Fano in der Hütte untergegangen ſein ſollte.— Was hätte man nach Todten noch viel forſchen ſollen, wenn man deren Tod für gewiß hielt?
Luigi war ſo aufgewachſen, wie die Kinder von Leuten auf⸗ wachſen, die mehr im Felde und auf den Bergen leben, als im eigenen Hauſe, die jetzt einige Monate vielleicht ihre Heerden in und auf den Bergen weiden, dort in elender Hütte, entfernt von aller Bequemlichkeit, wie ſie das Leben angenehm zu machen ver⸗ mag, Wochen hintereinander leben, ohne in Verkehr mit anderen Menſchen zu kommen, wenn nicht etwa ganz in der NRähe ein paar andere Hirten ihre Weideplätze gewählt haben, mit denen ein ge⸗ legentlicher nachbarlicher Umgang gepflegt wird, oder mit denen in Gemeinſchaft ein Raubzug, ein Wegelagererſtückchen ausgeführt wird, an dem dann Diejenigen, welche den Anfall verübt haben, ſo un⸗ ſchuldig ſich ſtellen, als wie das Licht der Sonne.
Da die Frau ſehr häufig ihrem Gatten Matteo auf die Weide⸗ plätze folgte, ſo nahm ſie natürlich auch Luigi mit ſich und dieſer lebte nun ſo mit ſeinen Pflegeeltern in der Wildniß, ſeine Geſpielen waren dann gewöhnlich die Schafe und Ziegen der Heerde und die Hunde des Pflegevaters, bisweilen wohl auch ein Knabe, den Matteo


