Teil eines Werkes 
2. Th. (1870)
Entstehung
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Matteo

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manches Mal zur Unterſtützung beim Weiden der Heerde benutzte. Nur ſelten kam es da vor, daß Luigi zu ſolchen Zeiten Geſellſchaft von Altersgenoſſen hatte.— Dieſes geſchah hauptſächlich nur dann, wenn in der rauheren Jahreszeit die Hirten das Innere des Ge⸗ birges verlaſſen hatten.

Dieſes Leben trug aber weſentlich dazu bei, den Körper des Knaben zu kräftigen und ſeine Geſundheit zu feſtigen und ihn geübt in allen Leibesübungen zu machen. Kein Baum war Luigi zu hoch, er ſtieg hinan und wiegte ſich kühn in dem Wipfel deſſelben; er erklimmte die ſteilſten Felſen mit der Gewandtheit einer Gemſe, und im Laufen und Ringen zeigte er ſich gleichfalls als Meiſter.

Nach der Art der Bewohner jener Landſtriche lernte Luigi auch

die Waffen zeitig führen, das Stilett, die lange Flinte, die Stein⸗

ſchleuder. Mit allen dieſen Waffen traf er ſein Ziel ſicher. Matteo, der dieſe Ausbildung ſeines Pflegeſohnes ganz allein ſeiner Unterweiſung zuſchrieb, war ſtolz auf ſolch' einen Zögling und

prophezeite ihm, daß er noch einmal ein zweiter Fano werden könnte.

Allein für ein ſolches Ziel ſchien Luigi doch wenig Sinn zu haben, denn obgleich Matteo ſich zeitig genug bemühte, ihm Geſchmack an der Sache beizubringen und ihn deshalb erſt bei kleinen Bri⸗

gantenzügen, dann größeren mitnahm, erſt mehr als Zuſchauer,

dann auch als handelndes Glied, ſo hielt ſich Luigi doch immer zurück, mehr vertheidigungsweiſe. Er zeigte Liſt, Muth und Kalt⸗ blütigkeit, aber ſich wenig geneigt, dieſe Eigenſchaften auf ſolche Weiſe anzuwenden, wie es die Mehrzahl ſeiner Genoſſen machten. Kam er in Gefahr, ſo daß er ſich vertheidigen mußte, dann that er es mit aller Ruhe und Entſchloſſenheit und gebrauchte ſeine Waffen dann mit jener Sicherheit, welche die Vertrautheit mit denſelben verleiht.

Matteo's Beſtrebungen, Luigi da zu entſchloſſenem Angriff auf eine Reiſegeſellſchaft oder auf ein reiches Haus zu bewegen, blieben ohne vielen Erfolg.

„Warum ſoll ich den Leuten, die mir nichts zu Leide thaten, etwas zu Leide thun?“ fragte Luigi immer.

Solche Fragen waren unter jenen Leuten, bei denen Luigi ſich befand, allerdings etwas ganz Ungewöhnliches, denn dieſelben folgten allein der Stimme der Habſucht und hatten ſie da Ausſicht, einen