247
ſie war an eine Art Amulet, welches an einer ſeidenen Schnur am Halſe des Kindes hing, in eine ganz andere Richtung gebracht worden; von dem Metallplättchen abprallend, hatte die Kugel nur einen Fleiſchtheil an der Bruſt des Kindes zerriſſen und auch den Oberarm etwas verletzt, wodurch zwar eine ſtarke Blutung entſtanden war, aber die Wunde an und für ſich war ungefährlich, beſonders wenn ſie ſchnell beſorgt und die Blutung geſtillt wurde.
Das Kind aber mußte erhalten bleiben, an ſeinem Leben hing ja eine ſo große Geldſumme und Geld überwog bei dem Räuber Alles. Er vergaß den Verluſt des Sohnes, der ganzen Familie, den Schmerz der eigenen Wunde über den Gedanken an die Er⸗ haltung des Kindes, das ihm ſo gewinnbringend werden ſollte. So⸗ fort machte er ſich an die ſorgfältige Verbindung der Wunde.
Der Raum diente ihm als Weinkeller und als Niederlage von einigen anderen Sachen; darunter befanden ſich auch ein paar Flaſchen mit Kräuterſäften, die er als bei Wunden heilkräftig erkannt hatte. Er ſuchte dieſelben herzu und begann ſeine Arbeit.
Ein furchtbares Krachen und Praſſeln begann jetzt, ſo daß das Gewölbe der Höhlung zu beben ſchien. Das Dach der Hütte war eingeſtürzt. Eine Rauchwolke war in die Höhlung ſelbſt getrieben und füllte dieſelbe aus. Im erſten Augenblicke war es Fano, als müſſe dieſer Qualm ihn erſticken.
Aber nur einen Augenblick dauerte dieſes. Der Raum hatte an ſeiner Decke einige wohlverſteckte Oeffnungen; durch dieſe mußte ſich der Rauch nach und nach verziehen. Fano erinnerte ſich ſofort daran und ward ruhiger.
Alle Aufmerkſamkeit Fano's wandte ſich nun wieder auf das
Kind. Er wuſch die Wunde mit Wein, tröpfelte einen milden,
heilenden Kräuterſaft darauf und verband es dann mit der größten Sorgfalt und Geſchicklichkeit.
„Das Kind muß gerettet werden,“ ſagte er ſich dabei,„mag ſonſt auch Alles zu Grunde gehen. Pah, ſolch eine Summe findet man nicht alle Tage auf dem Wege.“
„Nun erſt, nachdem Fano das Kind beſorgt hatte, begann er an ſeine eigene Wunde zu denken und er verband ſie, ſo gut es ihm möglich war, aber er fühlte, daß er den rechten Arm, in deſſen Schulter die Kugel ſaß, faſt nicht mehr gebrauchen konnte, und ſah


