219
gleicht dem Grafen Monte Chriſto Zug auf Zug, und ich denke, ſo muß Edmond Dantes ausgeſehen haben, als er noch Jüngling war.“
„Aber die Augen erinnern mich an Haydee,“ fügte Marja hinzu.
„In der That, ja,“ nahm Eugenie das Wort.„Dieſe Aehn⸗ lichkeit iſt doch gar zu auffallend, als daß ſie nicht Wunder nehmen ſollte.“
„Menſchen köonnen ſich ähnlich ſein,“ ſagte Albert leichthin, „allein dennoch muß ich zugeben, daß ſolche Aehnlichkeit ſelten iſt und Edmond Dantes überhaupt ein Geſicht hat, welches man unter Tauſenden herauskennen könnte.“
„Ein Vampyrgeſicht!“ flüſterte Eugenie vor ſich hin und warf wieder einen langen, forſchenden Blick auf den Hirten.
Albert wandte ſich wieder zu dieſem.
„Mein Sohn,“ fragte er,„biſt Du in dieſer Gegend geboren?“
„Ich glaube es,“ entgegnete der Gefragte,„aber ich weiß es nicht!“
„So weißt Du Deinen Geburtsort nicht?“
„Es mögen Viele hier ſein, die nicht wiſſen, wo ſie geboren!“
„Alſo biſt Du auch in dieſem Falle?“
Der Hirt beantwortete dieſe Frage mit ſtummem Kopfnicken. Die ſo angelegentlichen Fragen des fremden Herrn, in die auch die Damen mit einſtimmten, erweckten offenbar mehr und mehr ſein Mißtrauen und er gedachte wohl ſich denſelben am beſten zu ent⸗ ziehen, wenn er auf die nächſten Fragen keine andere Antworten mehr gab, als die durch ſtumme Zeichen.
Albert ſah, daß dieſer junge Menſch entweder nichts wiſſe, oder nichts wiſſen wollte. Albert ließ deshalb vor der Hand mit ſeinen Fragen ab, gönnte dem Hirten einſtweilen Ruhe und wandte ſich zu den Damen zurück, mit welchen er ſeine Bemerkungen über den intereſſanten Hirtenknaben tauſchte.
Wieder war man darüber einſtimmig, daß dieſer Hirt in ſeinen Geſichtszügen, ſeiner Geſtalt, ſeiner Haltung, im Klange der Sprache und in der Art ſeines Lächelns ganz überraſchende Aehnlichkeit mit dem Grafen Monte Chriſto habe, und die Eine glaubte noch dieſen, die Andere jenen Zug aufgefunden zu haben, der dem Grafen eigen ſei und im Geſicht oder dem Weſen des jungen Hirtens wieder


