Teil eines Werkes 
2. Th. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Dreiunddreißigſtes Kapitel.

Ein unerwarteter Beſucher.

Wie kann ich es ändern, wenn heiße Gluth

Mir in dem Buſen nimmer ruht?

Wenn's mit gewaltigen Banden reißt

Zu dir das Herz, zu dir den Geiſt. Waldau.

In den blühenden Gärten der Villa Corſini wandelten zwei an⸗ muthige Frauengeſtalten umher, unter dem dichten Laube der Lorbeer⸗ gebüſche und der mit golsenen Früchten prangenden Orangebäume Schatten ſuchend, bis ſie endlich ein heimliches Plätzchen in der Nähe einer halbverſiegten Cascade gefunden, wo ſie ſich auf einer mit Moos bewachſenen Steinbank niederließen und ihr Geſpräch, welches aus ſcherzendem, anmuthigen Geplauder unbemerkt in eine ernſtere Richt⸗ ung übergegangen war, fortſetzten.

Eugenie von Danglars und ihre Freundin Louiſe hatten wohl Ü ſache zu ernſterem Geſpräch, denn es machte ſich immer nöthiger für ſie, eine feſte Stellung zu ſuchen, um ſich eine Exiſtenz zu ſichern, welche nicht gar zu ſehr verſchieden von der war, welche ſie früher gewohnt waren. Sie hatten bis jetzt ihre Talente in Rom blos in ſo weit verwerthet, daß ſie Gaſtſpiele auf dieſem oder jenem Theater verſuchten, und ſie hatten dabei, ſowie in den wenigen Concerten, in

denen ſie auftraten, rauſchenden Beifall geerntet, aber viel Gewinn

fiel bei dieſen Verſuchen nie für ſie ab.

Und gleichwohl galt es jetzt dem Gewinn, denn die Mittel der beiden Mädchen waren ziemlich erſchöpft; ſie befanden ſich zwar in Geſellſchaft und gleichſam unter dem Schutze Mercedes, doch waren deren Hulfequellen ſelbſt ſo gering und wenig ergiebig, daß das We⸗

1

1