262 giebt mich, und ich weiß nicht, wohin ich mich wenden ſoll, um ibn zu bekämpfen.— Wer iſt er?“
Er ſtützte den Arm auf die Brüſtung des Balkons und legte die Stirn in die Hand.
„Wer iſt dieſes feindliche Weſen?“ frug er halblaut.
„Die Rache!“ tönte es da leiſe, aber doch deutlich.
Der Graf fuhr in die Höhe und ſchaute mit flammenden Blicken um ſich. Wiederum war Niemand zu entdecken, von dem dieſe Ant⸗ wort hätte ausgehen können. Der Laut war ſo ſonderbar geweſen, es kam Monte Chriſto vor, als habe man dicht vor ſeinem Ohr ge⸗ ſprochen, als ſei aber auch der Laut aus der offenſtehenden Thüre des Zimmers auf den Balkon gedrungen, dann wieder ſchien es ihm,
als müſſe er aus der Höhe herab, oder aus der Tiefe herauf gekom⸗
men ſein.— Es ward dem Einſamen faſt unheimlich zu Muthe.
„Wer antwortet hier ungefragt?“ frug er mit lauter Stimme.
Keine Antwort erfolgte.
„Iſt Jemand hier?“ frug er zum zweiten Male.
Wieder keine Antwort.
Monte Chriſto beugte ſich über die Brüſtung hinab und ſchaute hinunter, aber da unten regte ſich nichts, Niemand war zu ſehen. — Er lächelte über ſich ſelbſt.
„Spiel der Phantaſie,“ ſagte er.„Ich will dieſem Spuk am wirkſamſten dadurch vertreiben, daß ich das Lager ſuche.“
Er trat in das Gemach zurück, und da in demſelben eine ſchwüle Luft herrſchte, ließ er die zum Balkon führende Thüre halb offen; dann warf er ſich angekleidet auf ſein Bett, die Ermüdung machte ſein Recht geltend, er ſchlief ein.
Alles im Hauſe ſchlummerte, überall herrſchte die Ruhe der Sorg⸗ loſigkeit. Draußen flüſterte der Nachtwind koſend mit den Blättern der Bäume, leuchtete der Mond, glänzte hier und da ein einzelner Stern.— Eine lange Pauſe iſt entſtanden. Monte Chriſto liegt ausgeſtreckt auf ſeinem Lager, der Schimmer der Nachtlampe wirft ein ſchwaches Licht auf ſein Geſicht; es iſt freundlich, freundlicher als ſonſt im Wachen, und ein leichtes Lächeln ſpielt um ſeinen Mund. Er mochte wohl freundliche Träume haben.
Auf dem Balkon rauſchte und kniſterte es einen Augenblick leiſe
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