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wallte den einſamen Mann auf dem Balkon. Es war eine reizende Nacht, wie ſie nur glückliche Zonen, ähnlich Italien, aufzuzeigen ver⸗ mögen, und überall, überall herrſchte Ruhe und Frieden.
War aber zauch Ruhe und Frieden in der Bruſt des Mannes auf dem Balkon?— Nein.— Wohl zuckte keine Muskel des mar⸗ morbleichen Geſichts, wohl ſchaute das dunkle Auge ruhig, aber in ſeiner Bruſt brauſte und ſtürmte es um ſo wilder.
„Es iſt nicht mehr Alles ſo wie ſonſt,“ ſagte er halblaut vor ſich hin.„Sonſt unterſtützte das Schickſal jedes meiner Unternehmen, jetzt ſcheint es ſich gegen mich zu erklären. Die ganze Welt ſtand mir zu Gebote, ich durfte meine Hand ausſtrecken und es geſchah, was ich wollte; ſollte es jetzt nicht mehr ſo ſein?— Wie, ſollte ich nicht mehr können, wie ich wollte?— Man hat meinen Namen in Frankreich als Räuber und Leichenſchänder gebrandmarkt, in Italien ihn als den eines Seeräubers an den Pranger geſtellt. Ich habe bereits verſucht, durch Erklärungen und Zeugniſſe en zu waſchen, es gelang mir aber nicht. Ich habe bereits alle Mittel aufgeboten, um den Urheber dieſer Verleumdungen zu entdecken, auch dieſes war umſonſt. Ehemals durfte ich ſagen: morgen will ich das wiſſen, und ich wußte es zur beſtimmten Stunde.— Warum iſt das heute anders geworden?— In meiner Hand ruhen noch Schätze, die mich zu dem reichſten Manne der ganzen Erde machen; helfen ſie mir nicht mehr, meine Zwecke zu erfüllen?“
„Nein!“ klang es da vernehmlich zu des Grafen Ohr.
Monte Chriſto fuhr zuſammen und ſchaute ſich um. Nirgends ließ ſich Jemand ſehen, von dem dieſe Antwort hätte kommen können, nur der Nachtwind rauſchte in dem Laube der Kaſtanien, ſonſt war Alles öde und ſtille.
Ein bitteres Lächeln umzog des Grafen Mund.
„Iſt es ſchon ſo weit gekommen, daß ich vor einem Wörtchen erſchrecke, das mein Ohr zu hören glaubt und welches mir doch nur meine Phantaſie eingab?“ fragte er ſich ſelbſt.„Wäre der Edmond Dantes ein Anderer geworden, als er war, ſeit er weiß, daß ein un⸗ ſichtbares Weſen ihn heimtückiſch umſchleicht und ſeinem Fuße viel⸗ leicht Schlingen zu ſtellen ſucht, die keines Menſchen Auge ſieht und die darum deſto verderblicher werden.— Ein geheimer Feind um⸗


