Teil eines Werkes 
2. Th. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

22

253

thiere, welches] vor Ungeduld zitternd des Moments harrt, wo es ſich auf ſeine ſorgloſe Beute ſtürzen könne.

Endlich! Endlich! knirſchte er.Die Stunde der Abrechnung naht. Nun zittere, ſtolzer Graf, Dämon meines Lebens!

Jetzt erſchien der erſte Wagen und fuhr langſam daher. Er war hoch gepackt und mit vier Pferden beſpannt. Zwei Männer ſaßen

auf dem Bocke zurückgelehnt, ein Dritter hatte ſeinen Platz hinten auf

dem Wagen. Bald darauf bog ein zweiter, mit zwei Pferden be⸗

ſpannter Wagen um die Felſenecke und folgte dem erſten in lang⸗

ſamem Schritte; Pferde und Menſchen ſchienen müde zu ſein und Beide verriethen keine große Eile.

Der vorderſte Wagen kam jetzt in die Mitte des Weges in die Nähe einer verwitterten Baumgruppe, hinter welcher Benedetto und Lippi lagen. Es regte ſich noch immer nichts, nur das Gepolter über die Steine hinrollender Wagenräder ließ ſich vernehmen, ver⸗ bunden mit dem Klirren und Klingen der Ketten, ſonſt herrſchte die tiefſte Stille.

Benedetto ſtieß Lippi leiſe an.

Was meinſt Du? fragte er den geübten Banditen.

Es iſt Zeit, flüſterte dieſer zurück, ſeine kurze Büchſe ſenkend und den Hahn ſpannend.

Dann los! commandirte Benedetto mit lauter Stimme.

Laut krachte der Schuß, zehnfaches Echo an den Felſenwänden weckend und mit Donnergetöſe in der Felſengaſſe fortrollend; ein Pferd des vorderſten Wagens ſtürzte todt zuſammen, die anderen Pferde bäumten ſich wüthend in die Höhe und ſchoben den Wagen zurück.

Der Schuß war das Signal für die anderen Raubgenoſſen. Mit wildem Geſchrei ſprangen ſie hinter den Felsblöcken hervor, warfen ſich auf die Wagen und fielen den Pferden in die Zügel. Allen voran war Benedetto, mit flammenden Blicken ſein Opfer ſuchend.

Räuber, Räuber! rief es aus den Wagen.

Angſtgeſchrei weiblicher Stimmen erſcholl, wildes Rufen und Fluchen miſchte ſich wirr durcheinander; die Stille der Felſenſchlucht war plötzlich auf grauenvolle Weiſe unterbrochen oder in ſchaurigen Tumult umgewandelt.