Einunddreißigſtes Kapitel.
Der Nachtbeſuch in dem Cokiſſeum.
Es iſt ſchon in den ſtillen Stunden Der mondbeglänzten Zaubermacht Manch' traut' Geheimuiß aufgewacht.
R..
Düſtere Nacht ruhte auf der ewigen Stadt, die Mondſichel neigte ſich mehr und mehr dem Untergange zu, durch den Schleier leichter Wölkchen, welche das Himmelsgewölbe bedeckten, leuchtete hier und da ein Stern mit hellem Funkeln, verſchwand aber bald wieder hinter dem ſchnell vorüberziehenden Wolkenflor.
In gewaltigen, düſtern Maſſen lag der uralte Rieſenbau des Coliſſeums, welchen meiſt die alten Römer zur Zeit der Glanzperiode der ſtolzen Imperatoren aufgeführt, und der jetzt immer noch wie auf Felſen gegründet daſteht, ein Zeuge der gewaltigen Kraft der Vorzeit und ihrer Baukunſt, welche Werke wie für die Ewigkeit gegründet aufführte, beſchämend genug für die jetzige Zeit, wo die prunkenden, neuen Gebäude oft ſchon nach wenig Jahren ihrem Verfalle entgegen⸗ eilen.— Aber durch die Fenſteröffnungen lauſchte jetzt der Nacht⸗ himmel mit den verſchwindenden und wieder auftauchenden Sternen, durch die öden, offenen Hallen, Gänge und Gewölbe ſtrich der Wind, hier und da unheimlich pfeifend, als ob Geiſterſtimmen laut wurden, und ſich klagend von den Tagen ehemaliger Kraft und Herrlichkeit und dann des tiefen Falles erzählten, der einſt über die Hauptſtadt der Welt gekommen und auch dieſes mächtige Bauwerk mit zertrüm⸗ mert hatte.
An den Mauern und rieſigen Pfeilern ranken ſich Epheu und einige andere dürftige Rankenpflanzen empor, an den gewaltigen Quadern wuchern Mooſe und Flechten, aus den Ritzen des Mauer⸗


