Teil eines Werkes 
1. Th. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Benedetto in ein reich ausgeſtattetes Gemach, wo der entflohene Ga⸗ leerenſträfling auf das Behaglichſte der Ruhe pflegen konnte und der natürlich wohler ſich befand, als in dem Bagno von Breeſt.

Mehrere Tage vergingen, Benedetto widmete ſich mit einer Sorg⸗ ſamkeit, wie man ſie von dem von Verbrechen zu Verbrechen geeilten jungen Menſchen nicht hätte erwarten ſollen, der Pflege ſeines Vaters, dem dieſe Pflege ungemein wohl zu thun ſchien, obgleich er zu Zeiten nur mit Abſcheu ſein Auge auf des Sohnes Geſicht zu richten ver⸗ mochte. Zu der verſprochenen Erklärung von Seiten Villefort's kam es indeß nicht ſo ſchnell, er ſchien vor dem Gedanken zu ſchaudern, die Schreckgebilde in ſeinem Innern durch Erzählungen neu herauf zu beſchwören. Allein es drängte ihn auch, Benedetto Alles zu erklären, um ihn zu der Rache anzufeuern, nach deren Erfüllung er ſich ſehnte.

Benedetto, nahm Villefort eines Tages das Wort,ich fühle es ſtündlich mehr, daß die Stunde meiner Erlöſung bald ſchlagen werde, und immer dringender wird das Bedürfniß, Dir Alles zu enthüllen, damit Du der Erbe meiner Rache wirſt, denn wenig mehr als dieſe kann ich Dir hinterlaſſen, da Du wohl am beſten einſiehſt, daß Du keine Anſprüche auf meine Hinterlaſſenſchaft erheben darfſt. Der Sohn Villefort's muß todt ſein für die Welt, denn giebt er ein Lebenszeichen von ſich, ſo ſtrecken die Hände des Gerichts ſich gierig nach ihm aus.

Sie erkennen michalſo wirklich für Ihren Sohn? fragte Benedetto.

Ja, Du biſt es, erwiderte der Kranke mit geſenktem Blicke. Es ſoll eine Buße für mich ſein, daß ich Dir Deine Geburt erzähle, obgleich dieſelbe für Dich kein Geheimniß mehr iſt.

Ich höre, Vater.

Es gab eine Zeit, begann Villefort,wo ich von heftigen Leidenſchaften durchglüht war, ich wollte ſchnelles Aufſteigen zu den höchſten Ehrenſtellen, wollte Ruhm und Einfluß; dieſes zu erlangen, war mein eifrigſtes Beſtreben. In dieſer Periode meines Lebens wurde ich mit einer jungen Dame aus angeſehener und einflußreicher Familie bekannt, wir geriethen immer tiefer in das Verhältniß und dieſes hatte Folgen, die junge Dame wurde ſchwanger. In der Nacht des 27. Septembers 1817 erhielt ich durch einen Vertrauten die Kunde, die Stunde der Entbindung ſei erſchienen; ich eilte zu der Geliebten, und kaum zwei Stunden nachher wurdeſt Du geboren.