Drittes Kapitel.
Der Schwur am Fodtenlager.
Biſt Du mein wahrer Sohn und willſt verdienen Des Vaters Segen, wohl, ſo räche mich.
Shakeſpeare.
In dem ehemals ſo lebhaften Hauſe des vormaligen königlichen Prokurators, Herrn von Villefort, war es jetzt ſehr öde und traurig geworden; wo es ſonſt von Beſuchern und Bittſtellern wimmelte, die den ſonſt ſo mächtigen Mann umlagerten und nach einer Gunſt⸗ bezeugung von ihm haſchten, ſah man jetzt nur dann und wann einige Aerzte oder ein Paar Diener, die in der Ruine des glänzenden Hauſes noch geblieben waren, und die mit trüber, verſtimmter Miene um⸗ her ſchlichen.
Wie war auch Alles ſo anders geworden! Ehemals hatte eine liebliche Tochter in dem Hauſe freundlich gewaltet, hatte eine reizende Gattin einer Zauberin gleich die Welt angezogen, hatte ein munterer Knabe in übermüthiger Luſt den Vater umſpielt, der ſich auf dem Gipfel des Glücks angekommen wähnte. Aber Villefort war hinab⸗ geſtürzt worden, die Tochter war als Leiche aus dem Hauſe getragen, die Gattin hatte ſich Verbrechen ſchuldig gemacht, und als ſie ſich entdeckt, durch den Gatten ſelbſt mit Anklage auf Tod und Leben bedroht ſah, ſich und ihren Sohn vergiftet. Das Haus Villefort war ein Haus des Todes geworden.
Immer neue Schläge hatten den Procurator des Königs getroffen. Ein Verbrecher wurde vor Gericht geſtellt, ein entſprungener Galeeren⸗ ſträfling, angeklagt des Mordes und des Betruges, da er ſich unter dem Titel eines Fürſten in ein angeſehenes Haus gedrängt, wo er um die Hand der einzigen Tochter geworben, aber im Augenblick⸗ wo er den Ehecontract unterzeichnen wollte, verhaftet und in das Gefängniß geführt ward.


