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1434
„Weßhalb willſt Du, daß er mich begreift, meine Schweſter? Er iſt mein Gebieter, ich bin ſeine Sclavin,... er hat das Recht, nichts zu ſehen.“
Der Graf bebte bei den Tönen dieſer Stimme, die die innig⸗ ſten, geheimſten Fibern ſeines Herzens traf, ſeine Augen begeg⸗ neten denen des jungen Mädchens und konnten ihren Glanz nicht ertragen.
„Mein Gott, mein Gott,“ ſprach er,„was Du mich vermu⸗ then ließeſt, wäre alſo wahr? Haydée es macht Dich glücklich, mich nicht verlaſſen zu dürfen?“
„Ich bin jung,“ entgegnete ſie ſanft,„ich liebe das Leben, weil Du es mir ſtets ſo ſüß gemacht,.... ich würde ſo ungern ſterben!“
„Das heißt, daß, wenn ich Dich, verließe, Haydée?...“
„Ich ſterben würde, mein Gebieter, ja!“
„Du liebſt mich alſo?“
„O Valentine, er fragt, ob ich ihn liebe! Valentine, ſage ihm doch, ob Du Maximilian liebſt!“
Des Grafen Bruſt erweiterte ſich, ſein Herz bebte, er öffnete die Arme, Haydée ſank mit einem Freudenſchrei hinein.
„O ja, ich liebe Dich,“ rief ſie begeiſtert,„ich liebe Dich wie man ſeinen Vater, ſeinen Bruder, ſeinen Gemahl liebt... ich liebe Dich, wie man das Leben, wie man Gott liebt, denn Du biſt für mich das ſchönſte, beſte, größte aller erſchaffenen Weſen.“
„O ſo ſei es denn, wie Du willſt, mein geliebter Engel,“ ſagte der Graf.„Gott, der mich gegen meine Feinde ſtark gemacht hat, mit deſſen Hilfe ich Sieger geblieben bin, will nicht, daß mein übriges Leben der Reue ob dieſer Siege anheim falle, ich wollte mich ſtrafen, Gott will mir verzeihen. O ſo liebe mich, Haydée! wer weiß, vielleicht läßt mich Deine Liebe vergeſſen was ich durch⸗ aus vegeſſen muß!“
„Aber was ſagſt Du da, mein Gebieter?“ fragte das junge Mädchen.
„Ich ſage, daß ein Wort von Dir, mein ſüßes Leben, mich mehr erleuchtet hat als die zwanzig Jahre, die mich klug machten. Ich habe nur Dich auf der Welt, meine Haydée, Du feſſelſt mich an das Leben, Du kannſt mich elend, Du wirſt mich glücklich machen!“.
„Hörſt Du, Valentine,“ rief Haydée,„er ſagt, er könnte durch mich leiden, o durch mich, die ich mein Leben für ihn gäbe!“
Der Graf ſammelte ſich einen Augenblick.
„Habe ich geträumt?“ rief er dann,„habe ich die Wahrheit gehört? O mein Gott, mag's drum ſein, Vergeltung oder Strafe, ich nehme Dein Geſchenk an, komm, Haydée, komm...“
Und einen Arm um ſeiner Geliebten ſchlanke Taille ſchlingend, drückte er Valentinens Hand und verſchwand....
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