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1 Monte⸗Chriſto blickte ſeinen jungen Freund unendlich zärt⸗
ich an.
„Ja,“ ſprach er,„ja gewiß, der Tod iſt ſehr ſchmerzhaft, wenn Du die menſchliche Hülle, die ſo hartnäckig zu leben verlangt, roh zer⸗ brichſt. Wenn Deine Haut unter der unerbittlichen Spitze eines Dolches ſeufzt, wenn eine Kugel Dein Gehirn zerwühlt, o ja, dann wirſt Du leiden, das Leben unter Qualen verlaſſen, und es in Deinem verzweifelten Todeskampfe doch wünſchenswerther finden, als eine ſo theuer erkaufte Ruhe.“
„Ja, das begreife ich,“ ſprach Morrel,„der Tod hat ſeine Geheimniſſe des Schmerzes und der Wolluſt ſo gut als das Leben, das Ganze iſt, ſie zu kennen.“
„Ganz recht, Morrel, da haſt Du ein großes Wort geſagt. Der Tod iſt für uns entweder ein Freund, und leitet uns mild und ſanft, wie eine treue Amme, oder er iſt ein Feind, der barſch und ungeſtüm die Seele dem Körper entreißt. Vielleicht nach lan⸗ ger, langer Zeit, wenn man all der zerſtörenden Kräfte der Natur Herr geworden iſt, und ſich dieſelben dienſtbar macht, wenn dann der Menſch auch die Geheimniſſe des Todes kennen wird, o dann wird der Tod ſo ſüß ſein, wie der Schlaf in den Armen unſerer Geliebten.“
„Und wenn Sie ſterben wollten, Graf, wüßten Sie ſo zu ſterben!“
„Ja.“
Morrel reichte ihm die Hand.
„Jetzt begreife ich,“ ſprach er,„weßhalb Sie mir ein Ren⸗ dezvous auf einer einſamen Inſel, inmitten eines Oceans, in einem
unterirdiſchen Grabmale, um welches Sie ein Pharao beneiden könnte, gegeben haben, ach nur weil Sie mich lieben, mich genug lieben, um mir jenen Tod ohne Todeskampf zu verſchaffen, wobei ich Valentinens Namen flüſtern, und Ihnen die Hand drücken kann.“ 5
„Ja, Du haſt recht gerathen,“ ſprach der Graf einfach.
„Dank, der Gedanke, daß ich morgen nicht mehr leben werde, erquickt mein armes Herz.“
„„Bedauern Sie nichts?“ fragte Monte⸗Chriſto.
„Nein,“ entgegnete Morrel.
„Selbſt mich nicht?“ fragte der Graf tief bewegt.
Morrel blickte auf, ſein reines Auge bewölkte ſich, dann ſtrahlte es in ungewöhnlichem Glanze, eine große Thräne rollte, einem Silberfaden gleich über ſeine Wange.
„Wie?“ ſprach der Graf,„es bindet Sie noch etwas an die Erde, und Sie wollen ſterben?“
„ ich beſchwöre Sie, Graf,“ rief Morrel matt,„kein Wort
weiter, Sie verlängern meine Qual.“ Der Graf glaubte, Morrel werde ſchwach.


