Teil eines Werkes 
6 (1870)
Entstehung
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Da ging eine ſonderbare Veränderung mit ihm vor, er, der fünf Millionen verloren hatte, verſuchte die ihm bleibenden fünf⸗ zigtauſend Francs zu retten, und beſchloß, lieber die entſetzlichſten Prüfungen zu ertragen, als ſich dieſes letzten Geldes zu berauben. Seine Hoffnungsgedanken ſtreiften faſt an Wahnſinn, er, der ſo lange Gott vergeſſen hatte, dachte jetzt an Gott, um ſich zu ſagen, daß er oft ſchon Wunder gethan habe, daß die Höhle verſinken, oder die Soldaten dieſen verruchten Schlupfwinkel entdecken und ihn befreien könnten. Dann wollte er mit ſeinen fünfzigtauſend Francs fliehen, die Summe war groß genug, einen Menſchen nicht Hun⸗ gers ſterben zu laſſen, er bat Gott ſie ihm zu erhalten, und er weinte.

So vergingen drei Tage, während welcher der Name Gottes, wenn auch nicht in ſeinem Herzen, ſo doch beſtändig auf ſeinen Lippen war. Zwiſchendurch hatte er Augenblicke halben Wahn⸗ ſinnes, in denen er ein ärmliches Zimmer und einen auf der Streu im Todeskampfe liegenden Greis zu erblicken glaubte.

Auch der Greis ſtarb vor Hunger!

Den vierten Tag war er kein Menſch mehr, ſondern ein leben⸗ der Leichnam; er hatte die Ueberbleibſel ſeiner Mahlzeiten bis auf das letzte Krümchen von der Erde aufgeſucht, und kaute nun an der Matte, mit welcher der Boden bedeckt war.

Er flehte Peppino an, wie man einen Engel anfleht, ihm einige Nahrung zu geben, und bot ihm tauſend Francs für einen Biſſen Brod.

Der Bandit antwortete nicht.

Den fünften Tag ſchleppte er ſich an den Eingang des Zelle.

Aber ſind Sie denn ein Chriſt? rief er ſich auf den Knieen windend,wollen Sie denn einen Menſchen tödten, der vor Gott Ihr Bruder iſt?

O meine ſonſtigen Freunde, meine ſonſtigen Freunde, ſtam⸗ melte er.

Und er ſank zu Boden.

Plötzlich ſprang er auf.

Der Befehlshaber, ſchrie er,der Befehlshaber!

Da bin ich, ſprach Vampa, plötzlich erſcheinend,was wünſchen Sie noch?

Nehmen Sie mein letztes Geld, ſtotterte der Banquier, ſein Taſchenbuch hinreichend,laſſen Sie mich hier in dieſer Höhle leben, ich will ja gar nicht frei ſein, nur leben... leben!

Sie leiden alſo ſehr? fragte Vampa.

Ob ich leide? grauſam!

doch giebt es Menſchen, die noch mehr gelitten haben als Sie. b

Ich glaube nicht.*