Teil eines Werkes 
6 (1870)
Entstehung
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„Ach ja,“ rief er,„daß iſt das einzige Gebet in der letzten Zeit. Ich bat nicht mehr um Freiheit, nur um Gedächtniß, ich fürchtete den Verſtand zu verlieren und zu vergeſſen,— o mein Gutt; Du haſt mir das Gedächtniß bewahrt, o Dank, Dank, mein

ott!“ 3

Der Schließer kam zurück.

Monte⸗Chriſto ging ihm entgegen.

„Folgen Sie mir,“ ſprach er zu dem von tauſend Gedanken und Erinnerungen beſtürmten Grafen.

Er trat in Faria's Zelle.

Der erſte Gegenſtand, der ihm ins Auge ſiel, war die Sonnen⸗ uhr an der Wand, mit Hilfe deren Faria die Stunden zählte; dann ſah er die Ueberreſte des Bettes, auf dem der arme Gefan⸗ gene geſtorben war.

Ein ſanftes Gefühl inniger Dankbarkeit übermannte den Gra⸗

fen, Wehmuth ſchwellte ſein Herz, zwei große Thränen entſtürzten ſeinen Augen.

„Hier,“ ſprach der Führer,„lebte der arme Wahnſinnige, dort⸗ her kam der junge Mann zu ihm,“ und er zeigte auf das in die⸗ ſem Gefängniſſe offen gebliebene Loch;„an der Farbe der Steine,“ fuhr er fort,„hat ein Gelehrter erkannt, daß die beiden Ge⸗ fangenen beinah zehn Jahre mit einander in Verbindung ge⸗ ſtanden haben müſſen; die armen Leute, wie mögen ſie ſich gelang⸗ weilt haben.“

Dantes nahm einige Goldſtücke aus der Taſche und reichte ſie dem Manne, der ihn nun ſchon zum zweiten Male bedauerte, ohne ihn zu kennen.

Der Führer nahm das Geld, er mochte wohl glauben, es ſei etwas Silbermünze, aber beim Schein der Fackel erkannte er den Werth der erhaltenen Summe. 8

„Mein Herr,“ ſprach er,„Sie haben ſich geirrt.“

„Wie ſo?“

„Sie gaben mir Gold.“

„Ich weiß es wohl.“

Wis Sie wiſſen es?“—

„Ja.“

„Und es war ihre Abſicht, mir dieſes Gold zu geben?“

„Ja. „Und ich kann es ganz ruhig behalten?“ Ga

„Ja.

Der Schließer ſah Monte⸗Chriſto erſtaunt an.„Mein Herr,“ ſprach 215 ſein Glück nicht faſſen könnend,„ich begreife Ihre Groß⸗ muth nicht!“ 3

„Sie iſt indeſſen leicht zu begreifen, mein Freund,“ ſprach der Graf,„ich war auch Seemann, und Ihre Geſchichte mußte mich alſo mehr als jeden Andern rühren.“

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