Teil eines Werkes 
6 (1870)
Entstehung
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„O mein Herr, da Sie ſo großmüthig ſind, verdienen Sie auch, daß ich Ihnen etwas anbiete.“

„Was haſt Du mir zu bieten, Freund? Muſcheln, Strohar⸗ beiten? danke.“ 5

„Nein, mein Herr, Etwas, das mit der eben erzählten Ge⸗

ſchichte in Verbindung ſteht.“

„Wirklich?“ rief der Graf lebhaft,„was haſt Du denn?“ „Hören Sie,“ ſprach der Schließer,„ich dachte, man findet

gewiß immer irgend Etwas in einem Zimmer, welches ein Gefan⸗

gener fünfzehn Jahre bewohnt hat, und ich ſuchte überall.“

„Ach wirklich!“ rief Monte⸗Chriſto, ſich der Verſtecke des Abbé erinnernd.

„So entdeckte ich denn, daß es unter dem Kopfende des Betts und unter dem Heerde des Kamins hohl klang.“

„Ja,“ ſagte der Graf,„ja.“

„Ich hob die Steine und fand...“

„Eine Strickleiter... Werkzeuge...“ rief Monte⸗Chriſto.

„Aber woher wiſſen Sie das?“ fragte der Schließer überraſcht.

„Ich weiß es nicht, ſondern ich dachte nur ſo, gewöhnlich findet man ſolche Sachen in den Verſtecken der Gefangenen.“

„Ja, mein Herr, ich fand eine Strickleiter und Werkzeuge.“

„Und haſt Du ſie noch?“ rief Monte⸗Chriſto. 1

„Nein, mein Herr, ich habe dieſe ſehr ſonderbaren Sachen an Reiſende verkauft, aber ich habe noch etwas Anderes.“

„Was denn?“ fragte der Graf ungeduldig.

„Ich habe noch eine Art auf Leinwand geſchriebenes Buch.“

„O, Du haſt dieſes Buch noch?“

„Ja, wenn es wirklich ein Buch iſt...“

„Hole es mir, Freund,“ ſprach der Graf,„und wenn es das iſt, was ich vermuthe, dann freue Dich.“.

Der Führer verließ die Zelle.

Monte⸗Chriſto war allein, allein in dieſer traurigen Zelle, die ſo verhängnißvoll für ihn geworden war. Still trat er zu den morſchen Ueberreſten des Bettes, aus dem der Tod für ihn einen Altar gemacht hatte. Demüthig kniete er nieder.

„O mein zweiter Vater,“ ſprach er,„Du, der Du mir Frei⸗ heit, Wiſſen und Reichthum gegeben haſt, Du, der Du gleich einem höheren, begabteren Weſen, Kenntniß vom Guten und Böſen hatteſt, wenn in der Tiefe des Grabes etwas von uns zurückbleibt, was bei der Stimme der Unſern, die noch auf der Erde weilen, zittert, wenn bei der Verklärung unſers Leichnams ein Theilchen unſeres Seins an dem Orte zurückbleibt, wo wir viel geliebt oder viel ge⸗

litten haben, edles Herz, erhabener Geiſt, große Seele, ich be⸗ ſprah

ſchwöre Dich im Namen der väterlichen Liebe, die Du mir zuwand⸗ teſt, und der kindlichen Ehrfurcht, die ich Dir weihte, o nimm mir durch irgend ein Zeichen, durch irgend ein Wort, den Reſt des