Teil eines Werkes 
6 (1870)
Entstehung
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Es iſt Mittag, Maximilian, danken Sie Gott, daß Sie nicht heute Abend, nicht morgen früh gekommen ſind. Hören Sie was ich Ihnen ſage; wenn Valentine noch nicht todt iſt, wird ſie nicht ſterben.

O mein Gott, mein Gott, ächzte Morrel,ich verließ ſie ſterbend.

Monte⸗Chriſto ſtützte den Kopf in die Hand.

Was ging in dieſem Kopfe voll der ſchrecklichſten Geheimniſſe vor? War der Engel des Lichts, oder der Engel der Finſterniß in ihm mächtig?

Das wußte nur Gott.

Monte⸗Chriſto blickte wieder auf, und dies Mal war er ruhig wie ein aus ſüßem Schlummer erwachendes Kind.

Maximilian, ſagte er,gehen Sie ruhig nach Hauſe, ich befehle Ihnen, keinen weitern Schritt zu thun, keinen Schmerz in Ihrem Geſichte zur Schau zu tragen, ich werde Ihnen Nachricht geben, nun gehen Sie.

O mein Gott, mein Gott, Sie betäuben und erſchrecken mich, Graf, mit Ihrer Kaltblütigkeit. Vermögen Sie etwas über den Tod? Sind Sie mehr als ein Menſch? ein Engel? ein Gott?

Und der junge Capitain, der noch vor keiner Gefahr gebebt hatte, bebte unwillkürlich vor Monte⸗Chriſto.

Aber dieſer ſah ihn mit einem ſo ſanften und ſo melancho⸗ liſchen Lächeln an, daß Maximilian ſeine Augen feucht werden fühlte.

Ich vermag viel, ſagte der Graf,gehen Sie, mein Freund, ich muß allein ſein.

. Durch die gewaltige Herrſchaft beſiegt, die Monte⸗Chriſto ſtets über ſeine Umgebung ausübte, wagte Morrel nicht, ſich der⸗ ſelben zu entziehen. Dem Grafen die Händ drückend, verließ er

ihn.

Vor der Thüre blieb er ſtehen, um Baptiſtin zu erwarten, der vollen Laufs von der Straße Matignon auf ihn zukam.

Als Villefort und Avrigny bei Valentine eintraten, war ſie noch immer ohnmächtig. Der Arzt unterſuchte ſie mit der Sorge, die ihr Zuſtand erheiſchte, und der Gründlichkeit, die ſeine Kennt⸗ niß des Geheimniſſes verdoppelte.