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„Sie lieben, wen?“ rief Monte⸗Chriſto zurückprallend, und Morrels gen Himmel gehobene Hände faſſend.
„Ich liebe unſäglich, wie ein Unſinniger, wie ein Mann, der ſein Blut darum geben würde, der Geliebten eine Thräne zu er⸗ ſparen, ich liebe Valentine von Villefort, die man in dieſem Augen⸗ blicke mordet, hören Sie wohl, ich liebe ſie, und ich frage Gott und Sie, wie kann man ſie retten?“
Monte⸗Chriſto ſtieß einen Schrei aus, von dem nur der ſich einen Begriff machen kann, der das Gebrüll eines verwundeten Löwen gehört hat.
„Unglücklicher,“ murmelte er, die Hände ringend,„Du liebſt Valentine, Du liebſt die Tochter dieſes verfluchten Geſchlechts?“
Nie hatte Marrel einen ähnlichen Ausdruck geſehen, niemals hatte ein ſo furchtbares Auge ihm ſo nahe geglüht, nie hatte der Genius des Schreckens, den er auf dem Schlachtfelde und in den mörderiſchen Nächten von Algerien oft geſehen, ſo finſteres Feuer ausgeſtrahlt.
Er wankte erſchreckt zurück.
Nach dieſem Ausbruche ſchloß Monte⸗Chriſto, wie von einem innern Blitze geblendet, die Augen, dann ſammelte er ſich allmä⸗ lig, athmete tief, und an dem gleichmäßigern Heben nnd Senken der Bruſt, vorhin noch von Stürmen geſchwellt, merkte man, daß er ruhiger ward.
Dieſer Kampf, dieſes Schweigen währte höchſtens fünf Secun⸗ den. Dann erhob ſich der Graf, ruhig, aber noch bleicher als ſonſt.
„Sehen Sie, lieber Freund,“ ſagte er,„wie Gott die hoch⸗ trabendſten, wie die kälteſten Menſchen in ihrer Indifferenz zu ſtrafen weiß. Ich, der ich kalt und neugierig den Ausgang dieſer finſtern Tragödie erwartete, ich, der ich dem böſen Engel gleich, über die böſen Handlungen der Menſchen lachte, fühle mich nun auch von dieſer Schlange, deren krumme Windung ich kaltblütig betrachtete, tödtlich ins Herz getroffen.“
Morrel ächzte dumpf.
„Genug,“ rief der Graf,„genug der Klagen, ſeien Sie ein Mann, ſeien Sie ſtark, hoffen Sie, denn ich bin da und wache über Sie.“
Morrel ſchüttelte traurig den Kopf.
„Ich ſage, hoffen Sie, verſtehen Sie mich?“ ſchrie Monte⸗ Chriſto.„Bedenken Sie wohl, daß ich nie lüge, mich nie irre.


