1216 Villefort öffnete ſchon die Thür oder riß ſie vielmehr auf. „Ach, Sie ſind es?“ rief der Doctor.
„Ja, ich bin es,“ murmelte der Procurator, die Thür ſorgfältig ſchließend„und ich frage Sie jetzt, ſind wir allein, Doctor? denn mein Haus iſt verflucht.“
„Was!“ ſagte dieſer ſcheinbar kalt, innerlich jedoch tief be⸗ wegt,„iſt wieder Jemand bei Ihnen krank?“
„Ja Doctor,“ rief Villefort, mit der Hand convulſiviſch in die Haare fahrend,„ja.“
Avrigny's Blick ſagte:
„Habe ich Sie nicht gewarnt!“
„Und wer wird denn bei Ihnen ſterben,“ fragte er dann lang⸗ ſam,„welches neue Opfer klagt Sie vor Gott der Schwäche an?“
Ein ſchmerzliches Schluchzen entrang ſich Villeforts Herzen, er ergriff den Arm des Arztes und murmelte:
„Valentine... an Valentine iſt die Reihe.“
„Ihre Tochter?“ rief Avrigny ſchmerzlich überraſcht.
„Sie ſehen, daß Sie ſich irrten,“ ſagte der Procurator, „kommen Sie und bitten Sie ihr auf ihrem Schmerzenslager den entſetzlichen Verdacht ab.“
„Jedes Mal, wenn Sie mich rufen ließen,“ entgegnete Avrigny „war es zu ſpät, dennoch will ich Sie begleiten; aber ſchnell, mein Herr, bei Ihren Feinden darf man keine Zeit verlieren.“
„O dieſes Mal, Doctor, ſollten Sie mir meine Schwäche nicht vorwerfen, ich will den Mörder erforſchen und beſtrafen.“
„Denken wir zuerſt daran, das Opfer zu retten, kommen Sie.“
Während die Beiden eilig nach Villeforts Hotel fuhren, langte Morrel ganz athemlos bei Monte⸗Chriſto an.
Der Graf war in ſeinem Cabinet und war ſehr vertieft in ein Billet, welches ihm Bertuccio eben eilig geſchickt hatte.
Als Morrel gemeldet ward, der ihn kaum vor zwei Stunden verlaſſen hatte, blickte der Graf auf. 5
Auch für Morrel mußte in den beiden Stunden Wichtiges vorgegangen ſein, denn ſo heiter er ihn verlaſſen hatte, ſo beſtürzt kehrte er jetzt zurück.
Er ſtand auf und ſprang ſeinem jungen Freunde entgegen.
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