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„Vollſtändig, und wenn ich behauptete, erwartet zu haben was
geſchehen werde, ſo wollte ich von Ihrem Beſuche ſprechen, Herr⸗
von Morcerf.“
„Deſto beſſer... Sind Ihre Vorbereitungen getroffen?“
„Das ſind ſie ſtets.“
„Sie wiſſen, daß es ein Kampf auf Leben und Tod ſein wird,“ murmelte der General.
„Ja,“ entgegnete Monte⸗Chriſto, den Kopf leicht in die Höhe werfend.
„So laſſen Sie uns eilen, Zeugen ſind überflüſſig.“
„Wirklich, das iſt unnütz, wir kennen einander ſo gut.““
„Im Gegentheil,“ rief der General,„wir kennen uns ja gar nicht.“
„Bah,“ ſagte Monte⸗Chriſto mit demſelben zur Verzweiflung bringenden Pflegma,„laſſen Sie ſehen. Sind Sie nicht der Sol⸗ dat Fernand, welcher am Vorabende der Schlacht bei Waterloo deſertirte?— Sind Sie nicht der Lieutenant Fernand, welcher der franzöſiſchen Armee in Spanien als Spion diente? Sind Sie nicht der Capitain Fernand, der ſeinen Wohlthäter Ali verrieth und mordete? Und ſind alle dieſe Fernands nicht in dem General⸗ lieutenant und Pair von Frankreich, Grafen von Morcerf ver⸗ einigt?“ 4
„O,“ ſchrie der Graf, wie von einem glühenden Eiſen getroffen, „Niederträchtiger, der Du vielleicht im Begriffe ſtehſt mich zu tödten, nein, ich habe nicht geſagt, daß ich unſchuldig wäre, ich weiß wohl
Dämon, daß Du, die Nacht durchdringend, in dem Buche meiner
Vergangenheit geleſen haſt, aber vielleicht liegt in mir, trotz meiner Schande noch mehr Ehre als in Dir, unter Deiner ſchimmernden
Außenſeite. Nein, nein, Du kennſt mich, das ſehe ich wohl, aber
ich kenne Dich nicht, Abenteurer mit Gold und Edelſteinen ſapagaq In Paris läßt Du Dich Graf von Monte⸗Chriſto, in Italien Sind⸗
bad der Seefahrer, in Malta Gott weiß wie nennen. Aber welches
iſt der einzig wahre Name unter dieſen hundert erborgten, ich will, ich muß ihn wiſſen, damit ich Dich wenigſtens einmal auf dem Kampfplatze ſo nenne, wenn ich Dir meinen Degen in das Herz. ſtoße.“ 8.
Der Graf von Monte⸗Chriſto ward entſetzlich bleich, ſein Auge


