Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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Monte⸗Chriſto neigte ſich zu ihr, nahm ſie in ſeine Arme, und bei dem Anblick dieſes ſchönen, jetzt zu bleichen Antlitzes, dieſer herrlichen, geſchloſſenen Augen, dieſes edeln, jetzt ſo lebloſen Körpers, kam ihm zum erſten Male der Gedanke, daß ſie ihn vielleicht anders liebe als die Tochter ihren Vater.

Ach! murmelte er mit tiefer Entmuthigung,ich hätte alſo noch glücklich werden können!

Dann trug er Handée in ihr Zimmer und übergab ſie, noch immer ohnmächtig, den Händen ihrer Frauen. Dann ging er in ſein Kabinet, verſchloß es ſorgfältig, und ſchrieb das zerriſſene Teſtament von Neuem.

Kaum war er damit fertig, als ein Wagen in den Hof fuhr. Monte⸗Chriſto trat an das Fenſter, und ſah Maximilian und Emanuel ausſteigen.

Gut, ſagte er,es war Zeit, und er verſchloß das Teſta⸗ ment mit einem dreifachen Siegel.

Dann öffnete er die Thür.

Morrel erſchien auf der Schwelle.

Es war zwanzig Minuten vor der feſtgeſetzten Zeit.

Ich komme vielleicht zu früh, Herr Graf, ſagte er;aber ich geſtehe, daß ich keine Minute ſchlafen konnte, und ſo ging es uns Allen. Ich mußte Sie durchaus ſehen, um an ihrer tapfern Sicherheit meine Kräfte zu ſtärken.

Dieſer Probe inniger Zuneigung konnte Monte⸗Chriſto nicht widerſtehen, er reichte ſeinem jungen Freunde nicht nur die Hand, ſondern er ging ihm mit offenen Armen entgegen.

Morrel, ſprach er ſehr bewegt,es iſt ein ſchöner Tag für mich, da er mir die Gewißheit giebt, daß ein Mann, wie Sie, mich liebt. Sie begleiten mich alſo?

Mein Gott, rief der junge Capitäin, zweifelten Sie denn?

Aber, wenn ich Unrecht hätte...

Hören Sie, ich habe Sie geſtern während dieſes ganzen Auf⸗ tritts beobachtet, ich habe die ganze Nacht an Ihre Zuverſicht ge⸗ dacht und mir geſagt, daß die Gerechtigkeit auf Ihrer Seite ſei, oder man dem Geſichte keines Menſchen mehr trauen dürfe.

Aber, Maximilian, Albert iſt Ihr Freund.

Eine bloße Bekanntſchaft, Graf.