Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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und kam endlich an eine halb offene Thür, aus der ein matter Lichtſchimmer und der Ton einex durch Seufzer erſtickten Stimme drang. Er öffnete die Thür vollends und trat ein.

Im Hintergrunde eines Alkovens, unter einem weißen Tuche, welches das Geſicht bedeckte und die Form abzeichnete, lag die Todte, noch entſetzlicher in Morrel's Augen, ſeit der Zufall ihn zum Mit— wiſſer dieſes ſchrecklichen Geheimniſſes gemacht hatte.

Zur Seite des Bettes knieend, den Kopf in den Kiſſen einer breiten Bergere verborgen, und heftig ſchluchzend, erblickte er ſeine Geliebte oder vielmehr ihre gefalteten Hände.

Das Fenſter war noch offen, das arme Kind hatte ganz laut zu Gott gebetet, mit Worten, die, obgleich unzuſammenhängend, doch aus der Tiefe ihres warmen Gefühls entſproſſen waren und ein ſteinernes Herz gerührt haben würden.

Der Mond beleuchtete mit ſeinem Silberſchimmer, der das Kerzenlicht farblos erſcheinen ließ, dieſes Bild wahrer Verzweiflung.

Morrel konnte dieſem Schauſpiele nicht widerſtehen, er ſpielte gerade nicht den Frommen, war auch nicht für jeden Eindruck em⸗ pfänglich, aber Valentine weinend, leidend, die Hände ringen zu ſehen, das war mehr als er ſchweigend zu ertragen vermochte. Er ſeufzte, flüſterte einen Namen, und dieſer in Thränen gebadete Kopf einer Magdalene von Correggio, erhob ſich und blickte ihn ſtarr an, aber ohne Erſtaunen zu zeigen. Ein ſo gänzlich vernichtetes Herz wird durch nichts mehr überraſcht.

Valentine reichte ihm die Hand, zeigte zur Entſchuldigung, daß ſie ihr ihm gegebenes Wort nicht gehalten, auf den verhüllten Leich⸗ nam und ſchluchzte von Neuem.

Keiner von Beiden wagte in dieſem Zimmer zu reden. Jeder

zögerte, dieſes Schweigen zu brechen. Der Tod ſchien ihre Lippen mit ſeinem kalten Siegel verſchloſſen zu haben.

Endlich faßte das junge Mädchen Muth. „Woher kommen Sie, mein Freund?“ flüſterte ſie.„Ach, hätte

nicht der Tod ihnen dies Haus eröffnet, ſo würde ich ſagen: Will⸗

kommen, tauſendmal willkommen!“ „Valentine,“ ſagte Morrel zitternd und die Hände faltend,„ich warte ſchon lange, ich ſah Sie nicht kommen, ward unruhig, erſtieg