Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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die Mauer, ſprang in Ihren Garten, und hörte dort Jemand ſich über dieſes traurige Ereigniß unterhalten...“

„Und wer konnte das ſein?“

Morrel ſchauderte, das ganze Geſpräch des Arztes und des Herrn von Villefort ſtand wieder lebhaft vor ſeiner Seele, und er glaubte, durch das weiße Tuch den verwelkten Arm, den ſteifen Hals und die blauen Lippen zu gewahren. 3

„Ich hörte einige Diener,“ ſtotterte er.

„Aber bis hierher kommen, das heißt uns verderben, mein Freund,“ ſagte Valentine ohne Schreck und ohne Zorn.

„Verzeihung,“ rief Morrel in demſelben Tone,„ich werde wieder gehen.“

„Nein,“ ſagte Valentine,„man könnte Ihnen begegnen, bleiben Sie.“

„Aber wenn Jemand käme?“

Das junge Mädchen ſchüttelte den Kopf.

„Seien Sie ruhig, Niemand wird hierher kommen, dort iſt unſer Schutz.“

Und ſie zeigte auf die Leiche ihrer Großmutter.

„Aber ich beſchwöre Sie, wie ward es mit Herrn von Epinay?“ fragte Morrel.

„Er kam in dem Augenblicke, als meine gute Großmutter den letzten Seufzer aushauchte.“

„Ach!“ rief Morrel, mit einer Aufwallung egoiſtiſcher Freude, denn er dachte erſt jetzt daran, daß dieſer Todesfall die Heirath verzögern mußte.

„Aber was meinen Schmerz verdoppelt,“ fuhr Valentine fort, als ob dieſes Gefühl ſogleich beſtraft werden ſollte,„das iſt, daß meine arme, liebe Großmutter ſterbend befohlen hat, die Heirath ſobald als möglich zu vollziehen. Auch ſie, mein Gott, handelte wider mich, indem ſie mich zu beſchützen wähnte.“

„Hören Sie?“ ſagte Morrel.

Die beiden jungen Leute ſchwiegen.

Man hörte eine Thür öffnen auf dem Gange und der Treppe tönten Schritte.

„Das iſt mein Vater, der ſein Cabinet verläßt,“ flüſterte Valentine. 3