Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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„Es war eine, durch nervöſe Zufälle unterbrochene Schlafſucht, Ueberreiztheit des Gehirns, Betäubung der inneren Theile. Frau von Saint⸗Méran iſt jedenfalls einer bedeutenden Doſis Brucine oder Strychnin unterlegen, die zufällig oder durch Verſehen ihren Speiſen beigemiſcht war.“

Villefort ergriff ſeines Freundes Hand.

„O, das iſt unmöglich,“ rief er,„ich träume, mein Gott, ich träume! Das iſt entſetzlich, von einem Manne wie Sie ſolche Sachen hören zu müſſen. Im Namen des Himmels, theurer Doctor, be⸗ ſchwöre ich Sie, mir zu ſagen, daß Sie ſich irren können.“

„Gemiß, das kann ich, aber...“

„Aber?“

„Aber ich glaube es nicht.“

„Doctor, o haben Sie Mitleid mit mir, ſeit einigen Tagen begegnet mir ſo Unerhörtes, daß ich an die Möglichkeit glaube, toll werden zu können.“

„Hat noch Jemand außer mir Frau von Saint⸗Méran geſehen?“

„Niemand.“

„Hat man in der Apotheke irgend ein Mittel bereiten laſſen, von dem ich nichts weiß?“

„Keines.“

„Hatte Frau von Saint⸗Méran Feinde?“

„Daß ich nicht wüßte.“

„Konnte irgend Jemand bei ihrem Tode intereſſirt ſein?“

„Nein, ach Gott nein, meine Tochter iſt ihre einzige Erbin; Valentine... o könnte ich nur flüchtig den Gedanken hegen, ich würde mich erdolchen, zur Strafe, daß mein Herz ſo ſchrecklichen Regungen Raum geben konnte.“

„Mein Freund,“ rief nun ſeinerſeits Herr von Avrigny,„nur Gott gebührt die Anklage, ich ſpreche nur von einem Zufall, hören Sie wohl? von einem Irrthum! Aber, Zufall oder Irrthum, der Fall iſt da, und mein Gewiſſen mahnt mich ganz leiſe, Ihnen ganz laut zu ſagen: Forſchen Sie nach.“

„Bei wem, und wonach?“

„Könnte ſich Barrois nicht geirrt haben? Er iſt alt, und hat Frau von Saint⸗Méran vielleicht etwas von dem für Herrn von Noirtier bereiteten Tranke gegeben.“

Der Graf von Monte⸗EChriſto. 61