Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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bekam dann jene Kriſe, die ich für einen Nerven⸗Zufall hielt und die mich erſt dann ernſtlich erſchreckte, als ſie ſich im Bette erhob und ſo ſonderbar dehnte und ſtreckte. An Ihrem Geſichte ſah ich, daß die Sache noch ernſter war, als ich vermuthet hatte. Die Kriſe ging vorüber, ich ſuchte Ihre Augen, begegnete ihnen jedoch nicht. Sie fühlten den Puls, zählten deſſen Schläge, und die zweite Kriſe trat ein, noch bevor Sie ſich entfernten. Dieſer Anfall war noch weit heftiger als der erſte, dieſelben Zuckungen wiederholten ſich, doch in weit höherem Grade, der Mund verzog ſich und färbte ſich blau.

„Bei der dritten Wiederholung gab ſie ihren Geiſt auf... Schon vorher glaubte ich in ihrem Zuſtande den Starrkrampf zu erkennen und Sie befeſtigten mich in dieſer Meinung.“

„Ja, vor der Welt,“ rief der Doctor,„aber jetzt ſind wir allein.“

„Mein Gott, was bedeutet das?“

„Daß die Symptome der Starrſucht mit denen einer Vergiftung durch vegetabiliſche Stoffe ganz gleich ſind.“

Herr von Villefort ſprang auf, ſah den Arzt ſtarr an und fiel dann kraftlos auf die Bank zurück. 3

„O mein Gott, Doctor,“ murmelte er,„bedenken Sie wohl, was Sie mir da ſagen?“

Morrel wußte nicht, ob er träume oder wache.

„Hören Sie,“ ſagte Herr von Aprigny,„ich kenne die Wichtig⸗ keit meiner Erklärung, ſowie den Charakter des Mannes, dem ich ſie mache.“

„Und ſprechen Sie zu dem Beamten oder dem Freunde?“

„Dem Freunde, jetzt nur zu dem Freunde. Die Gleichheit der Symptome zwiſchen Starrſucht und einer Vergiftung durch vege⸗ tabiliſche Stoffe iſt ſo bedeutend, daß ich mit dem, was ich Ihnen geſagt, ſehr zögern würde, wenn ich es beweiſen müßte. Auch wiederhole ich Ihnen, daß ich mich nicht an den königlichen Pro⸗ curator, ſondern an den Freund wende; ich bin dem Todeskampfe der Frau Marquiſe während der dreiviertel Stunden ſeiner Dauer genau gefolgt und behaupte nicht nur, daß Frau von Saint⸗Méran überhaupt vergiftet ward, ſondern ich kenne auch das Gift, welches ihr den Tod gab.“

„Mein Herr, mein Herr!“