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er nicht ſo außerordentlich blaß geweſen, hätte man keine Veränder⸗ ung an ihm bemerkt.
„Hören Sie mich, meine liebe, meine angebetete Valentine,“ ſprach er mit ſeiner tiefen, klangvollen Stimme,„Menſchen wie wir, die niemals einen Gedanken hegten, weswegen ſie vor Gott oder den Menſchen hätten erröthen müſſen, ſolche Leute können Einer in des Anderen Herzen, wie in einem offenen Buche leſen. Ich habe niemals einen Roman geſpielt, ich bin kein melancholiſcher Held, ich neige mich weder zu Manfred, noch Antony, aber ohne Worte, ohne Zögern, ohne Schwur habe ich Ihnen mein Leben ge⸗ weiht. Sie geben mich auf und Sie handeln recht ſo, ich wieder⸗ hole es nochmals, aber ohne Sie iſt mir das Leben nichts werth; und von dem Augenblicke an, in welchem Sie ſich von mir ent⸗ fernen, Valentine, bleibe ich allein in der Welt. Meine Schweſter iſt glücklich in ihrem Gatten, dieſer iſt mein Schwager, das heißt, mir nur durch äußere Bande verknüpft, Niemand bedarf meiner, mein Leben iſt alſo unnütz geworden... Nun kennen Sie mein Vorhaben, Valentine... Doch werde ich bis zum letzten Augenblicke warten, der zum Tode Verdammte hofft auch noch, daß eine glück⸗ liche, unvorhergeſehene Wendung eintreten könne... Ich warte, bis Sie wirklich verheirathet ſind, denn kann Herr von Epinay nicht noch im letzten Augenblicke ſterben? Kann der Blitz ihn nicht noch am Altare von Ihrer Seite reißen? Alles iſt glaublich; kann nicht ein Wunder geſchehen, wenn es ſich um zwei arme, treue Herzen handelt? Ich werde alſo warten, aber wenn mein Unglück gewiß, unwiderruflich gewiß iſt, werde ich einen vertrauten Brief an meinen Schwager, einen andern an den Polizei Präfekten ſchreiben und Beide von meinem Entſchluſſe benachrichtigen. Dann werde ich
ſchon irgend einen tauglichen Platz finden, um mir eine Kugel durch den Kopf zu jagen, und das geſchieht, ſo gewiß ich der Sohn des rechtlichſten Mannes bin, der in Frankreich lebte.“
Ein convulſiviſches Zittern durchbebte Valentine's zarten Körper, ſie lehnte ſich erſchöpft an das Gitter, ihre Arme ſanken kraftlos herab und zwei große Thränen rollten über ihre bleichen Wangen.
Der junge Mann blieb finſter und entſchloſſen vor ihr ſtehen.
„Aus Mitleiden,“ flüſterte ſie,„o aus Muleiden werden Sie leben, nicht wahr?“


