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Procurator ihr beſtürzt folgte, blieb das junge Mädchen allein an dem Bette ihrer Großmutter.
Wie ſchon geſagt, hatte der alte Herr von Noirtier das ge⸗ wöhnliche Geräuſch im Hauſe vernommen und ſeinen Diener aus⸗ geſandt, um zu ſehen, was es gäbe.
Fragend richtete er ſein lebhaftes Auge auf den alten Barrois, als dieſer wieder eintrat.
„Ach, gnädiger Herr, welch' ein großes Unglüc, Frau von Saint⸗Méran iſt angelangt, und der gnädige Herr Marquis iſt todt.“
Obgleich nun der Verſtorbene nie ein intimer Freund des Herrn Noirtier geweſen war, machte dieſe unerwartete Todesnachricht dennoch einen tiefen Eindruck auf den Greis.
ein Kopf ſank auf die Bruſt, dann ſchloß der alte Herr das eine Auge.
„Fräulein Valentine?“ fragte Barrois.
Noirtier machte ein bejahendes Zeichen.
„Der gnädige Herr wiſſen, daß ſie auf dem Balle iſt, weil ſie 8
Ihnen in vollem Ballſtaate gute Nacht ſagte.“
Noirtier ſchloß das linke Auge. M
„Der gnädige Herr wünſchen das Fräulein heute noch zu ſehen?“
Der Greis machte eine bejahende Bewegung.
„Nun gut, da das Fränulein jedenfalls geholt wird, werde ich ſie erwarten, und ſie bitten, noch einmal heraufzukommen. Soll ich das?“
„Ja,“ nickte der Gichtbrüchige.
Barrois theilte alſo, wie wir geſehen haben, Valentine den Wunſch ihres Großvaters mit.
Als nun Valentine's Großmutter, ihrer gänzlichen Erſchöpfung unterliegend, in einen unruhigen Schlummer verfiel, eilte Fräulein von Villefort zu ihrem Großvater, nachdem ſie zuvor ein Tiſchchen mit einer Karaffe, in der Pomeranzen⸗Limonade, das gewöhnliche Getränk der Frau von Saint⸗Méran, ſich befand, an das Bett ge⸗ rückt hatte.
Valentine umarmte den Greis, der ſie ſo zärtlich anſah, daß ihre Augen ſich von Neuem mit Thränen füllten, deren Quell ſie ſchon verſiecht glaubte.


