Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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Dann, während ſeine Schwiegermutter, noch immer knieend, aus dem Grunde ihres Herzens betete, beſtellte er ſeinen Wagen, um Frau und Tochter ſelbſt von Frau von Morcerf abzuholen.

Als er in der Thür des Ballaales erſchien, war er ſo bleich, daß Valentine ihm entgegeneilte und rief:

O mein Vater, es iſt ein Unglück geſchehen..

Deine gute Großmutter iſt angekommen, Valentine.

Und mein Großvater? fragte zitternd das junge Mädchen.

Herr von Villefort antwortete nicht und bot ſeiner Tochter den Arm.

Es war Zeit, Valentine ſchwankte, ihre Stiefmutter eilte, ſie zu unterſtützen, und Beide führten ſie in den Wagen.

Wie ſonderbar, rief Frau von Villefort,wer hätte das gedacht!

Und die Traurigkeit dieſer Familie legte ſich wie ein ſchwarzer Schleier über den noch übrigen Theil des bis dahin ſo glänzenden Feſtes.

Barrais erwartete Valentine-an der Treppe.

Herr Noirtier wünſcht Sie noch dieſen Abend zu ſprechen, ſagte er ganz leiſe.

Sagen Sie ihm, daß ich ſeinen Wünſchen nachkommen werde, ſobald ich meine gute Großmutter verlaſſen habe, erwiderte ihm Valentine.

Dieſes zarte, tief fühlende Mädchen begriff, daß ihre erſte Sorg⸗ falt jetzt der Frau von Saint⸗Méran gewidmet ſein mußte.

Sie fand ihre arme Großmutter im Bett. Stumme Umarm⸗ ungen, ſchmerzliches Schluchzen, unterbrochene Seufzer, brennende Thränen, ſind das einzige Erzählungswerthe dieſer Zuſammenkunft, bei welcher, auf ihres Mannes Arm geſtützt, Frau von Villefort, anſcheinend wenigſtens, die tiefſte Theilnahme für die arme gebeugte Wittwe an den Tag legte.

Plötzlich flüſterte ſie ihrem Manne zu:

Mit Ihrer Erlaubniß entfernte ich mich, denn meine Gegen⸗

wart ſcheint den Schmerz Ihrer Großmutter noch zu vermehren.

Frau von Saint⸗Méran vernahm dieſe Worte und ſagte zu Valentine:Ja, ja, laß ſie gehen, aber bleibe Du. Frau von Villefort verließ das Zimmer, und da auch der

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