Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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Sie zogen ohne Zweifel ſogleich einen Arzt zu Rathe.

Sogleich, aber wie ſchon geſagt, es war zu ſpät.

Aber der Arzt konnte doch erkennen, welcher Krankheit der arme Marquis erlegen war?

Mein Gott ja, er ſagte mir, es ſcheine ein plötzlicher Schlagfluß.

Und was thaten ſie dann?

Herr von Saint⸗Märan hatte ſtets den Wunſch geäußert, wenn er fern von Paris ſterbe, in die Familiengruft gebracht zu werden. Die Leiche wird bald anlangen.

Arme Mutter! rief Villefort,ſolche Sorgen nach einem ſolchen Schlag und in Ihrem Alter!

Gott hat mir Kraft verliehen, das Alles zu tragen, ach ich weiß, daß der liebe Marquis gewiß für mich gethan haben würde, was ich leider für ihn thun muß. Aber nun iſt meine Kraft zu Ende... ich kann nicht weinen... die Thränen ſollen im Alter immer verſiechen, aber ich denke, jemehr man leidet, jemehr müſſe man leiden können. Wo iſt unſere liebe Valentine? Ihretwegen bin ich hier.

Villefort fand es grauſam, ſeiner Schwiegermutter zu erzählen, daß ihre Enkelin auf einem Balle ſei, er ſagte alſo nur, ſie ſei mit ihrer Stiefmutter ausgegangen, und er wolle ſie ſogleich rufen laſſen.

Ach ja, ſogleich, ich beſchwöre Sie, gleich, rief die alte Dame flehend.

Villefort bot der Marquiſe ſeinen Arm und führte ſie in ihre Gemächer.

Ruhen Sie, liebe Mutter, ſagte er.

Bei dieſem Namen blickte Frau von Saint⸗Méran auf und den Mann vor ſich ſehend, welcher ſie an die ſo ſehr betrauerte Tochter erinnerte, die ihr in Valentine wieder auflebte, fühlte ſie ſich von dem Namen Mutter wehmüthig getroffen, ſank vor einem Seſſel in die Kniee, ſchluchzte bitterlich und verbarg ihr ehrwürdiges Haupt in dem Kiſſen.

Der Procurator empfahl ſie der Sorgfalt der Kammerfrauen, während der alte Barrois ganz betäubt wieder zu ſeinem Herrn eilte, denn nichts erſchreckt Greiſe ſo ſehr, als wenn der Tod ſie in einem Augenblicke verläßt, um ſich noch vorher einen andern zum Opfer auszuerſehen.*

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