Teil eines Werkes 
4 (1870)
Entstehung
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Mein Herr, ſagte endlich die Gräfin,iſt es wahr, daß Sie ſo viel gereiſt ſind, ſo viel geſehen, und ſo viel gelitten haben? Ja, gnädige Frau, ich habe viel gelitten, entgegnete Monte⸗Chriſto. 3 Aber Sie ſind jetzt glücklich?

Gewiß, entgegnete der Graf,denn Niemand hört mich

klagen.

Und hat Ihr jetziges Glück Sie milder geſtimmt?

Mein jetziges Glück gleicht meinen vergangenen Leiden.

Waren Sie nie verheirathet?

Ich verheirathet? ſagte Monte⸗Chriſto zitternd,wer hat

Ihnen das geſagt?

Niemand, aber man hat Sie oft mit einer jungen Dame in der Oper geſehen.

Ach, gnädige Frau, das iſt eine Sclavin, die ich in Kon⸗ ſtantinopel gekauft habe. Sie iſt die Tochter eines Fürſten, und ich liebe ſie wie meine Tochter, nicht anders.

Sie leben alſo allein?

Ganz allein.

Haben weder Schweſter, Bruder, noch Vater?

Niemand.

Aber wie können Sie nur leben, ohne an irgend etwas im Leben zu hängen?

Das iſt nicht meine Schuld, gnädige Frau. Ich liebte ein junges Mädchen in Malta, und ſtand im Begriff mich mit ihr zu

oerheirathen, als der Krieg ausbrach und mich wie ein Wirbelwind

von ihr entfernte. Ach ich glaubte, ſie liebe mich genug, um mich zu erwarten, ja um mir treu zu bleiben, bis über das Grab hinaus. Als ich zurückkam, fand ich ſie verheirathet. Das iſt ſo ge⸗ wöhnlich die Geſchichte eines jeden jungen Mannes, welcher das zwanzigſte Jahr zurückgelegt hat. Ich war k zislliiht chwäͤcher als Andere, aber ich habe entſetzlich gelitten!...

Die Gräfin hielt einen Augenblick inne, als bedürfe ſie dieſer Ruhe, um zu athmen.

Ja, ſagte ſe⸗und Sie blieben dieſer Liebe treu... O man liebt nur einmal... Und haben Sie dieſe Frau niemals wieder⸗ geſehen?

einen Wirk