Teil eines Werkes 
4 (1870)
Entstehung
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pern zu vergleichen, aber Sie werden mit unſerer armen nordiſchen Sonne nachſichtig ſein.

Der Graf verbeugte ſich und trat einen Schritt zurück.

Sie ſchlagen es mir ab? rief die Gräfin zitternd.

Ich bitte unterthänigſt um Verzeihung, gnädige Frau, aber ich eſſe niemals Muskattrauben.

Mercedes ließ die Traube ſeufzend fallen. 1

Eine herrliche Pfirſiche prangte am nächſten Geländer, die Gräfin pflückte dieſe würzige Frucht und näherte ſich dem Grafen

Nehmen Sie denn dieſe Pfirſiche, ſagte ſie bittend.

Aber der Graf machte dieſelbe Bewegung wie vorhin.

O, noch! ſagte ſie mit ſo ſchmerzlichem Ausdruck, daß man wohl fühlte, ſie unterdrücke ein Schluchzen,ach, ich habe Unglückl!

Ein langes Schweigen folgte, und auch die Pfirſiche rollte in den Sand.

Herr Graf, ſagte endlich Mercedes, ihn flehend anblickend, es iſt eine rührende Sitte der Araber, daß die, welche unter einem Dache Brod und Salz getheilt haben, ewige Freunde ſind.

Ich kenne es, gnädige Frau, ſagte Monte⸗Chriſto,aber wir ſind in Frankreich und nicht in Arabien, und in Frankreich giebt es

weder ewige Freundſchaften, noch theilt man Brod und Salz.

Aber, ſagte die Gräfin, Monte⸗Chriſto bebend anblickend und ſeinen Arm mit ihren beiden Händen faſt convulſiviſch drückend, nicht wahr, wir ſind Freunde?

Das Blut drang zum Herzen des Grafen, er ward todtenbleich, dann plötzlich glühend roth, ſeine Augen ſtarrten irr, wie wenn ihn ein Schwindel erfaßt hätte.

Gewiß ſind wir Freunde, gnädige Frau, ſtammelte er end⸗ ichund weshalb auch nicht? fügte er mit mehr Feſtigkeit hinzu. E SDieſer Ton war ſo weit entfernt von dem, welchen die Gräfin zu hören gewünſcht hatte, daß ſie ſich umwandte, um ihr troſtloſes Schluchzen zu verbergen.

Dank, ſagte ſie.

Und ſie gingen weiter.

So legten ſie Beide ſchweigend den Gang durch den Garten zurück.