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Der Procurator kam wieder zu ſich und ſah ein, daß, wenn er dieſen mütterlichen Sturm abwenden wolle, der ſich über ſeinem Haupte zuſammenzuziehen drohte, er Frau von Danglars mit dem Entſetzen bekannt machen mußte, welches er ſelbſt empfand.
„Sie begreifen alſo,“ ſagte er, ſich nun ſeinerſeits auch er⸗ hebend,„daß, wenn ſich die Sache wirklich ſo verhält,“ und er näherte ſich Hermine und ſprach immer gedämpfter,„wir verloren ſind; das Kind lebt und Jemand weiß darum, Jemand kennt unſer Geheimniß, und da nun Monte⸗Chriſto geſtern von einem aufge⸗ fundenen Kinderleichnam ſprach und dieſer Leichnam dort nicht mehr war, ſo iſt er es, der unſer Geheimniß kennt.“
„Gott! gerechter, rächender Gott!“ murmelte Frau von Danglars.
Villefort antwortete nur durch unheimliches Stöhnen.
„Aber dieſes Kind, mein Herr?“ entgegnete die halsſtarrige Mutter. 1
„O wie ich es geſucht habe,“ entgegnete Villefort, die Arme kreuzend,„o wie ich es in meinen langen, ſchlafloſen Nächten ge⸗ rufen habe! O wie oft ich mir ein königliches Vermögen gewünſcht habe, um damit Millionen Menſchen ihre Geheimniſſe abkaufen zu können, um darunter das meine zu finden! Eines Tages nahm ich zum hundertſten Male den Spaten, fragte mich zum hundertſten Male, was der Corſe auf der Flucht mit dem, vielleicht lebenden Kinde gemacht haben konnte, und dachte mir, er könnte es als Hin⸗ derniß in den Fluß geworfen haben.“
„O unmöglich,“ ſchrie Frau von Danglars,„man ermordet einen Mann aus Rache, aber man tödtet kein Kind mit kaltem Blute.“
„Vielleicht brachte er es in das Findelhaus.“
„Ach ja, ja,“ rief die Baronin,„da iſt mein Kind.“
„Ich eilte in das Hoſpital und fragte, ob in der Nacht vom 20. September ein Kind dahin gebracht ſei, welches in die Hälfte einer feinen, abſichtlich zerriſſenen, mit einer Baronskrone und einem H gezeichneten Serviette gewickelt geweſen ſei.“
„Ach, ſo iſt es! Ja, alle meine Wäſche war ſo gezeichnet, Herr Nargonne war Baron und ich heiße Hermine. Dank, mein Gott, mein Kind war nicht todt!“
„Nein, es war nicht todt.“


