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drei Pferdelängen vorauskommen ſah, ſo glücklich, daß ich wie eine
Verrückte in die Hände klatſchte. Stellen Sie ſich mein Erſtaunen vor, als ich beim Nachhauſekommen dem kleinen roſenfarbenen Jockey auf der Treppe begegnete! Ich glaubte, daß der Sieger des Ren⸗ ners vielleicht zufällig mit mir in Einem Hauſe wohne, als das Erſte, was ich beim Eintritte in mein Zimmer bemerkte, der goldene Pokal war, eben der Preis des Jockey⸗Clubbs, den das fremde Pferd und der unbekannte Jockey gewonnen hatten. In dem Pokal befand
ſich ein Zettelchen mit den Worten:„Der Comteſſe G... Lord
Ruthven.“
„Ganz richtig,“ ſagte Morcerf.
„Wie ſo? ganz richtig, was wollen Sie damit ſagen?“
„Ich will ſagen, daß es Lord Ruthven ſelbſt iſt.“
„Welcher Lord Ruthven?“
„Der unſrige, der Vampyr, der vom Theater Argentina.“
„Wirklich!“ rief die Comteſſe,„er iſt alſo hier?“
„Ganz gewiß.“
„Und Sie ſehen ſich mit ihm? Sie beſuchen einander?“
„Er iſt mein intimer Freund, und auch der Herr von Chateau⸗ Renaud hat die Ehre, ihn zu kennen.“
„Warum glauben Sie, daß er es iſt, deſſen Pferd gewann?“
„Sein Pferd iſt unter dem Namen Vampa eingeſchrieben.“
„Nun?“
„Nun, erinnern Sie ſich nicht des berühmten Banditen, der mich gefangen genommen hatte?“
„Ach! es iſt wahr.“
„Und aus deſſen Händen der Graf mich wunderbarer Weiſe befreite?“
„Ja, ja!“
„Er hieß Vampa. Sie ſehen, daß es der Graf ſein muß.“
„Aber warum hat er mir dieſen Pokal geſchickt?“
„Erſtlich, gnädige Frau, weil ich ihm, wie Sie denken können, viel von Ihnen erzählt hatte, und dann, weil er entzückt geweſen ſein wird, eine Landsmännin zu finden, und zu ſehen, wie vielen
Antheil dieſe Landsmännin an ihm nahm.“
„Ich hoffe, daß Sie ihm die Thorheiten, die wir über ihn ge⸗ ſprochen, nicht erzählt haben werden.“


