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bittert, ſo daß ich mich oft frage, ob mir nicht der Kummer, den mir meine Stiefmutter verurſacht, indem ſie gegen mich lieblos iſt, während ſie ihr Kind in blinder Zärtlichkeit vergöttert, leichter zu ertragen iſt, als das gefährliche Glück, das ich genieße, wenn ich Sie ſehe.“
„Gefährlich!“ rief Maximilian; können Sie ein ſo hartes, un gerechtes Wort ausſprechen? Haben Sie jemals einen unterwür⸗ figern Sclaven geſehen, als ich bin? Sie haben mir erlaubt zu⸗ weilen mit Ihnen zu reden, Valentine, haben mir aber verboten, Ihnen zu folgen; ich habe Ihnen gehorcht. Seitdem ich nun ein Mittel gefunden habe, in dieſen Raum zu ſchlüpfen, durch die Spalten dieſes Verſchlages mit Ihnen zu reden, kurz, Ihnen nahe zu ſein, ohne Sie zu ſehen, habe ich jemals verlangt, ſagen Sie, nur den Saum Ihres Kleides durch das Gitter zu berühren? Habe ich jemals einen Verſuch gemacht, dieſe Mauer zu überſteigen, was für meine Kraft und Jugend eine Kleinigkeit wäre? Habe ich Ihnen je einen Vorwurf über Ihre Strenge gemacht? je einen Wunſch ausgeſprochen? Ich war ein Sclave meines Wortes, wie die alten Ritter. Geſtehen Sie das wenigſtens, damit ich Sie nicht für ungerecht erklären muß.“
„Es iſt wahr,“ ſagte Valentine, einen ihrer zarten Finger durch die Spalten drängend, auf den Maximilian ſeine Lippen
i preßte,„es iſt wahr, Sie ſind ein rechtſchaffener Freund. Aber
Sie haben nur in Ihrem Intereſſe gehandelt, mein lieber Maxi⸗ milian; Sie wußten wohl, daß, wenn Sie Anſprüche machten, Sie Alles verlieren würden. Sie haben mir die Freundſchaft eines
Bruders verſprochen, mir, die ich von meinem Vater vergeſſen, von
meiner Mutter verfolgt, keinen Freund habe, kein Weſen, das mich liebt, als den ſtummen, unbeweglichen, erſtarrten Greis, deſſen Hand die meine nicht drücken, deſſen Auge allein zu mir reden kann, und deſſen Herz gewiß mit einer Art von Wärme für mich ſchlägt. Bittre Fügung des Geſchickes, das mich zur Feindin oder zum Opfer aller Derer macht, die ſtärker ſind als ich, und mir nur einen Leichnam zur Stütze und zum Freunde giebt! O! wilkklich, Maximilian, ich wiederhole es Ihnen, ich bin ſehr unglücklich und Sie haben Urſache, mich zu lieben um meinet⸗, wenn auch nicht um Ihretwillen.“


