LII. Byramus und Thisbe.
Im zweiten Drittel der Faubourg Saint⸗Honoré dehnt ſich hinter einem ſchönen Hotel, welches bemerkenswerth iſt zwiſchen den bemerkenswertheſten Beſitzungen dieſes reichen Viertels, ein weiter Garten aus, deſſen dichte, dickbelaubte Kaſtanienbäume die ungeheu⸗ ren, wie die Wälle hohen Mauern überragen und, wenn der Früh⸗ ling kommt, ihre weiß und rothen Blüthen in zwei, auf zwei vier⸗ eckigen Säulen ſtehende Stein⸗Vaſen fallen laſſen, die einer eiſernen Gitterpforte aus der Zeit Ludwig XIII. zur Einfaſſung dienen.
Dieſer großartige Eingang iſt ungeachtet der köſtlichen Gera⸗ nien, die in den Vaſen ſprießen, und deren marmorirte Blätter und purpurfarbene Blumen im Winde ſchwanken, ſeit die Beſitzer des Hotels ſich(und das iſt lange her) auf das Hotel, den mit Bäu⸗ men bepflanzten Hof deſſelben und den Blumengarten beſchränkt haben, vernagelt. Ehedem führte dieſe Gitterpforte in einen Küchen⸗ garten von der Größe eines Morgens, der zu der Beſitzung gehörte. Als aber der Dämon der Speculation einen Strich, das heißt eine Straße, an dieſem Garten vorbeigezogen hatte und dieſe Straße, ehe ſie noch exiſtirte, vermöge einer braunen Glastafel ſchon einen Namen hatte, glaubte man dieſen Garten verkaufen zu können, um auf der Straße zu bauen und mit jener großen Hauptader von Paris, die man le Faubourg Saint-Honoré nennt, zu concurriren.
Aber in Hinſicht der Speculation heißt es: der Menſch denkt, das Geld lenkt; die ſchon getaufte Straße ſtarb in den Windeln; der Ankäufer des Küchengartens konnte, nachdem er denſelben ganz bezahlt hatte, keine Gelegenheit finden, ihn ohne Schaden wieder zu verkaufen, und die Zeit abwartend, wo er ihn beſſer würde zu Gelde machen können, begnügte er ſich, ihn vorläufig an einen Gemüſegärtner für fünfhundert Franken jährlich zu vermiethen.
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