Teil eines Werkes 
3 (1870)
Entstehung
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„Nein! nicht vollkommen,“ antwortete der Graf,„undurch⸗ dringlich, das iſt das Ganze. Aber brechen wir davon ab, mein Herr, wenn das Geſpräch Ihnen mißfällt; ich habe ſo wenig von Ihrer Juſtiz zu fürchten, als Sie von meiner Doppeſſchtigkeit.“

„Nein! nein! mein Herr,“ ſagte Villefort lebhaft, der ohne Zweifel nicht den Anſchein haben wollte, das Feld räumen zu müſſen; „nein! durch Ihre glänzende, faſt erhabene Unterhaltung haben Sie mich über den gewöhnlichen Standpunkt erhoben; wir ſchwatzen nicht⸗ wir erörtern. Nun wiſſen Sie, daß die Theologen in den Lehr⸗ ſtühlen der Sorbonne, oder die Philoſophen bei ihren gelehrten Streiten, einander mitunter harte Wahrheiten ſagen; nehmen wir an, daß wir einen gelehrten Streit über die ſociale Theologie und die theologiſche Philoſophie führen, und laſſen Sie mich Ihnen in ſolchem folgende rauhe Wahrheit ſagen: Mein Bruder, Sie fröhnen dem Hochmuth; Sie ſtel der den Andern, aber über Ihnen ſteht Gott.“

„Ueber Allen, mein Herr,“ antwortete Monte⸗Chriſto in einem ſo tiefen Tone, daß Villefort unwillkürlich davor ſchauderte.„Mein

Hochmuth iſt gegen die Menſchen gerichtet, und immer bereit, wie

eine Schlange ſich gegen den zu bäumen, der ſie mit der Stirn überragt, ohne ſie mit dem Fuße zu zertreten. Aber ich beuge dieſen Hochmuth vor Gott, der mich aus dem Nichts gezogen und zu dem gemacht hat, was ich bin.“

„Dann, mein Herr Graf, bewundere ich Sie,“ ſagte Villefort, jetzt zum erſten Male in dieſer ſonderbaren Unterhaltung, dem Fremden, den er bis dahin nur: mein Herr, angeredet hatte, dieſe ariſtokratiſche Benennung zukommen laſſend.„Ja, ich ſage Ihnen, wenn Sie wirklich ſtark, überlegen, wirklich unantaſtbar, oder un⸗ durchdringlich ſind, was, wie Sie ganz richtig ſagen, Eins iſt, dann mögen Sie immerhin hochmülhig ſein, das bringt die Herrſchaft mit ſich. Aber haben Sie nicht irgend ein Ziel, wonach Sie ſtreben?“

„Ich habe eins, mein Herr.“

„Und welches?“

„Auch mich führte, wie wohl jeden Menſchen einmal in ſeinem Leben, Satan auf den höchſten Berg der Erde, zeigte mir die Herr⸗ lichkeit der ganzen Welt und ſigie zu mir, wie einſt zu Chriſtus: „Siehe Dich um, Menſchenlind, was ſoll ich Dir geben, wenn Du