Teil eines Werkes 
3 (1870)
Entstehung
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Obrigkeit Schutz verlange, keinen Menſchen als meinen Bruder an⸗ erkenne, ſo kann keines der Hinderniſſe, welches die Mächtigen be⸗ chränkt, oder die Weiſen bedenklich macht, mich lähmen, oder mir Einhalt thun. Ich habe nur zwei Gegner, um nicht zu ſagen, zwei Beſieger, denn mit Beharrlichkeit unterwerfe ich ſie mir auch: das iſt der Raum und die Zeit. Der dritte und furchtbarſte iſt meine Sterblichkeit. Dieſe allein kann meine begonnene Laufbahn ab⸗ kürzen, ehe ich das mir geſteckte Ziel erreicht habe, alles Uebrige habe ich berechnet. Was die Menſchen die Fügungen des Schick⸗ ſals nennen, das heißt: Verarmung, Veränderung und alle ſonſtigen Mäöglicheiten, habe ich voraus bedacht und meine Vorkehrungen dagegen getroffen. So lange ich lebe, werde ich immer derſelbe bleiben; darum ſage ich Ihnen Dinge, die Sie noch nie gehört haben, ſelbſt nicht aus dem Munde von Königen, denn ſelbſt Kö⸗ nige können Ihrer bedürfen und die andern Menſchen fürchten Sie. Wer in einer ſo lächerlichen Verfaſſung als die unſrige, dächte wohl nicht einmal:„Vielleicht bekomme ich es einſt noch mit dem Procu⸗ rator des Königs zu thun!“ „Eil das können Sie ſelbſt denken, mein Herr, denn ſobald Sie in Frankreich wohnen, ſind Sie den franzöſiſchen Geſetzen unter⸗ worfen.“

„Ich weiß es, mein Herr,“ antwortete Monte⸗Chriſto,„aber ehe

ich in ein Land komme, ſtudire ich es. Durch mir eigene Hilfs⸗

mittel lerne ich alle Menſchen kennen, mit denen ich nur irgend in Berührung kommen, von denen ich Etwas zu hoffen oder zu fürchten haben könnte, und ich kenne ſie, ohne ſie je geſehen zu haben, oder ſie vielleicht jemals zu ſehen, genauer vielleicht, als Sie

ſich ſelbſt kennen. Folglich würde der Procurator des Königs, er möchte ſein, wer er wollte, mit dem ich jemals zu thun bekommen könnte, mehr in Verlegenheit kommen, als ich ſelbſt.“

„Das heißt,“ entgegnete Villefort zögernd,„daß... da die menſchliche Natur einmal gebrechlich iſt, jeder Menſch, Ihrer Mein⸗ ung nach... Fehler... begangen hat.“

„Fehler oder Verbrechen,“ antwortete Monte⸗Chriſto nachläſſig.

„Und daß Sie allein unter den Menſchen, die Sie nicht als Ihre Brüder anerkennen, wie Sie ſelbſt ſagten,“ fuhr Villefort mit leicht bebender Stimme fort,„daß Sie allein vollkommen ſind?“

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