2 487 Wirth benachrichtigend, daß er die Nacht bei dem Herzog von Bracciano zubringen werde.
Das Haus des Herzogs von Bracciano iſt eines der ange⸗ nehmſten in Rom; ſeine Gemahlin, eine der letzten Erbinnen der Colonna, macht die Honneurs deſſelben auf die liebenswürdigſte Art, daher haben die Feſte, die er giebt, einen europäiſchen Ruf. Franz und Albert hatten Empfehlungsbriefe an ihn gehabt, und ſo war ſeine erſte Frage an Franz: was aus ſeinem Reiſegefährten geworden ſei. Franz antmortete ihm, daß er ſich in dem Augenblicke getrennt, als man die Moccoli auslöſchte, und daß er ihn an der Via Marcello aus den Augen verloren habe.
„Alſo iſt er nicht nach Hauſe gekommen?“ fragte der Herzog. „Ich habe ihn bis dieſen Augenblick erwartet,“ antwortete Franz.
„Und wiſſen Sie, wohin er ging?“
„Nein, nicht mit Gewißheit, indeſſen glaube ich, daß ſo etwas wie eine verliebte Zuſammenkunft im Spiele war.“
„Teufel!“ ſagte der Herzog,„dies iſt ein ſchlimmer Tag, oder vielmehr eine ſchlimme Nacht, um ſich zu verſpäten, nicht wahr, Frau Gräfin?“
Dieſe Frage war an die Comteſſe G...., die am Arme des Herrn Torlonia, Bruders des Herzogs, ſoeben vorüberging, gerichtet.
„Ich finde im Gegentheil, daß es eine köſtliche Nacht iſt,“ antwortete die Comteſſe,„und bedauere nur, daß ſie zu ſchnell ver⸗ gehen wird.“
„Auch ſpreche ich nicht von den Perſonen, die hier ſind,“ ent⸗ gegnete der Herzog lächelnd;„ſie laufen keine andere Gefahr, als, die Männer ſich in Sie zu verlieben und die Damen vor Eiferſucht über den Anblick Ihrer Schönheit zu ſterben. Nein, ich rede von denen, die in den Straßen Roms umherſtreifen.“ 1
„Ei! mein Gott! wer durchſtreift denn auch die Straßen Roms zu dieſer Stunde, es ſei denn, um ſich zum Ball zu begeben?“
„Unſer Freund Albert von Morcerf, Frau Gräfin, den ich, in Verfolgung ſeiner Unbekannten begriffen, um ſieben Uhr verließ und ſeitdem nicht wieder geſehen habe.“
„Wie! und Sie wiſſen nicht, wo er iſt?“
„Durchaus nicht.“


