Teil eines Werkes 
2 (1870)
Entstehung
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di Ripetta bilden, waren mit privilegirten Neugierigen überfüllt; die Stufen der Vorhallen glichen aufgeregten, doch eingedämmten Wogen eines bunten Meeres, deren Brandung an den Porticus drang; jede Stelle einer Mauer, wo ein Menſch ſich anklammern und feſthalten konnte, hatte eine lebende Statue. Der Graf hatte alſo Recht, zu behaupten, daß kein Anblick die Neugierde der Lebenden mächtiger anzieht, als der des Todes. Statt des dumpfen Schweigens, welches die Feierlichkeit des zu erwartenden Schauſpiels der Menge hätte auferlegen ſollen, ging lautes Getöſe aus derſelben hervor; Gelächter und frohes Geſchrei, Zank und Verſöhnung, ernſte und ſpöttiſche Betrachtungen ertönten; es war nicht zu läugnen, der Graf hatte Recht, dieſe Hinrichtung war für das Volk nichts Anderes, als der Anfang des Carnevals.

Plötzlich endete der Lärm wie durch einen Zauberſchlag; die Thüre der Kirche war geöffnet worden. Die Brüderſchaft der Büßenden, deren jedes Mitglied mit einem grauen Sacke bekleidet war, der nur zwei Löcher für die Augen hatte, erſchien, jeder eine brennende Kerze in der Hand, der Vorſteher an der Spitze. Hinter den Büßenden ging ein großer ſtarker Mann, der bis auf eine leinene, kurze Unterhoſe ganz unbekleidet war und an ſeiner linken Hüfte eine Scheide mit einem großen Meſſer hängen hatte; auf der rechten Schulter trug er eine ſchwere Eiſenmaſſe, an den bloßen Füßen hatte er mit Schnüren befeſtigte Sandalen. Dieſer Mann war der Scharfrichter. Ihm folgten in der Ordnung, wie ſie hin⸗

gerichtet werden ſollten, Peppino und Andrea, Jeder von zwei

Prieſtern begleitet. Keinem von Beiden waren die Augen ver⸗ bunden. Peppino ging ziemlich feſten Schrittes; wahrſcheinlich hatte er Nachricht von dem bekommen, was zu ſeinen Gunſten ge⸗ ſchehen war. Andrea wurde an jeder Seite von einem der Prieſter unterſtützt. Beide Verurtheilte küßten von Zeit zu Zeit ein Crucifix, welches der Beichtiger ihnen vorhielt.

Franz fühlte bei dieſem Anblick ſeine Kniee zittern, er ſah Albert an, dieſer war bleich wie ſein Hemd, und warf mechaniſch ſeine Cigarre fort, obgleich er dieſelbe erſt halb ausgeraucht hatte. Der Graf ſchien unempfindlich. Ja, was noch mehr war, eine leichte Röthe ſchien die gewöhnliche Leichenfarbe ſeiner Wangen durchdringen zu wollen, ſeine Naſenlöcher erweiterten ſich, wie die

wer