Teil eines Werkes 
2 (1870)
Entstehung
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eines wilden Thieres, welches Blut riecht, und ſeine leicht geſpal⸗ tenen Lippen zeigten wilde, kleine und ſpitze Zähne wie die eines Schakals. Indeſſen hatte bei alledem ſein Geſicht einen Ausdruck ſanfter Freundlichkeit, den Franz noch nie an ihm bemerkt hatte; beſonders waren ſeine ſchwarzen Augen bewunderungswürdig ſammet⸗ artig und milde.

Indeſſen ſetzten die beiden Verurtheilten ihren Weg nach dem Schaffot fort; je näher ſie kamen, deſto deutlicher konnte man ihre Geſichtszüge unterſcheiden. Peppino war ein ſchöner Burſche von vierundzwanzig bis fünfundzwanzig Jahren, mit von der Sonne verbranntem Geſichte und wildem, freien Blick. Er trug den Kopf hoch und ſchien in der Luft ſpüren zu wollen, woher ihm ein Be⸗ freier kommen werde. Andrea war kurz und dick: ſein gemein grau⸗ ſames Geſicht ließ nicht genau ſein Alter beurtheilen, doch konnte er ungefähr dreißig Jahre alt ſein. Er hatte im Gefängniſſe den Bart wachſen laſſen, ſein Kopf hing auf einer Schulter, ſeine Beine trugen ihn kaum; ſein ganzes Weſen war nur noch mechaniſch und willenlos.

Ich dächte, ſprach Franz zum Grafen,Sie hätten uns nur von einer Hinrichtung geſagt.,

Und ich ſagte Ihnen die Wahrheit, entgegnete der Graf gleichgiltig.

Es ſind doch aber hier zwei Delinquenten?

Ja, aber nur der Eine von Beiden wird ſterben, der Andere hat noch ein langes Leben vor ſich.

Doch dünkt mich, daß nicht viel Zeit mehr zu verſäumen iſt⸗ wenn er begnadigt werden ſoll.

Auch kommt die Begnadigung in dieſem Augenblicke, ent⸗ gegnete der Graf.

Wirklich durchbrach in dem Augenblicke, wo Peppino unter der Mandaia ankam, ein Büßender, der ſich verſpätet zu haben ſchien, das von den Carabiniers gebildete Spalier, ohne daß die Soldaten ſeinen Durchgang wehrten, und, dem Vorſteher der Brüder⸗ ſchaft ſich nähernd, gab er demſelben ein vierfach zuſammengelegtes Papier, der forſchende Blick Peppino's hatte dieſes Alles bemerkt, der Aelteſte der Brüderſchaft entfaltete das Papier, las es und winkte mit der Hand.