„Nach der Hinrichtung?“ rief Franz. „Gewiß, noch während oder vor derſelben, wie Sie wollen.“ „Angeſichts des Schaffots?“
„Das Schaffot iſt ein Theil des Feſtes.“
„Hören Sie, Herr Graf,“ ſprach Franz;„ich habe es mir überlegt und danke Ihnen ſehr für Ihre Güte, doch begnüge ich mich, einen Platz in Ihrem Wagen und am Fenſter des Café Rospoli anzunehmen, und bitte Sie, den mir angebotenen Fenſter⸗ platz an der piazza del Popolo Jemand Anderem einzuräumen.“
„Aber ich ſage Ihnen vorher,“ entgegnete der Graf,„Sie ver⸗ lieren dadurch einen ſehr merkwürdigen Anblick.“
„Sie werden es mir erzählen,“ antwortete Franz,„und ich bin überzeugt, daß dieſe Erzählung aus Ihrem Munde faſt denſelben Eindruck wie der Anblick ſelbſt auf mich machen wird. Uebrigens habe ich ſchon mehr als einmal einer Hinrichtung beiwohnen wollen und mich doch nie dazu entſchließen können. Und Du, Albert?“
„Ich,“ antwortete Albert,„ich habe Caſtaing hinrichten ſehen; aber ich glaube, ich war den Tag etwas berauſcht, es war der Tag meines Austritts aus dem Collegium.“
„Aber,“ meinte der Graf,„das iſt kein Grund, etwas im Aus⸗ lande nicht zu thun, weil Sie es in Paris nicht thaten. Wenn man reiſ't, thut man es, um ſich zu unterrichten; wenn man den Aufenthalt wechſelt, geſchieht es, um zu ſehen. Bedenken Sie, was Sie für eine Rolle ſpielen werden, wenn Sie gefragt werden: Wie ſind die Hinrichtungen in Rom? und Sie antworten müſſen: Ich weiß nicht. Und dann, man ſagt, daß der Verurtheilte ein abſcheu⸗ licher Kerl iſt, ein Schlingel, der mit dem Beile einen guten Ca⸗ nonicus gemordet hat, der ihn wie einen Sohn erzogen hatte. Wenn Sie in Spanien reiſ'ten, würden Sie gewiß die Stiergefechte ſehen wollen, nicht wahr? Nun wohl, denken Sie, es ſei ein Stiergefecht, was wir ſehen werden; erinnern Sie ſich doch der alten Römer im Circus, der damaligen Jagden, wo dreihundert Löwen und an hundert Menſchen getödtet wurden. Erinnern Sie ſich der achtzig⸗
tauſend Zuſchauer, die in die Hände klatſchten, der weiſen Matronen,
die ihre heirathsfähigen Töchter dahin führten, und der reizenden Veſtalinnen mit weißen Händen, die mit dem Daumen ein reizendes kleines Zeichen machten, welches bedeutete:


