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„Herr Abbé,“ entgegnete Caderouſſe,„ſie hatten mich Beide ſo zum Trinken genöthigt, daß ich des Gebrauchs meiner Sinne beraubt war. Ich ſah Alles wie durch eine Wolke. Alles, was ein Mann in dieſem Zuſtande ſagen kann, ſagte ich, aber ſie ant⸗ worteten mir Beide, es ſei ein Scherz, den ſie machen wollten, und der keine Folgen haben werde.“
„Aber den andern Tag, Herr, den andern Tag ſahet Ihr doch, daß der Scherz Folgen hatte; und dennoch ſagtet Ihr nichts, und waret dabei, als er verhaftet wurde.“
„Ja, Herr Aobé, ich war dabei, und ich wollte reden, wollte Alles ſagen, aber Danglars hielt mich zurück. Und wenn er nun wirklich ſtrafbar wäre, wenn er wirklich an der Inſel Elba ange⸗ legt und einen Brief an das bonapartiſtiſche Comité in Paris er⸗ halten hätte? Und wenn man dieſen Brief bei ihm findet, werden die, welche ſich ſeiner annehmen, für ſeine Mitſchuldigen gelten. Ich fürchtete die damalige Politik. Ich geſtehe es, ich ſchwieg, das war eine Feigheit, ich gebe es zu, aber kein Verbrechen.“
„Ich verſtehe, Ihr ließet die Sache ihren Gang gehen, das war Alles.“
„Ja, Herr Abbé,“ antwortete Caderouſſe,„und das iſt ein Scorpion, der mich Tag und Nacht quält. Ich bitte Gott oft des⸗ halb um Verzeihung, das ſchwöre ich Ihnen, und bin auch über⸗ zeugt, daß zur Strafe dieſer That, der einzigen ſchlechten in meinem ganzen Leben, mein ganzes Unglück über mich verhängt iſt. Ich büße einen Augenblick, wo der Egoismus mich beherrſchte; auch ſage ich deshalb immer zur Carconte, wenn ſie klagt: Schweig, Frau, es iſt Gottes Wille ſo.“ Und Caderouſſe ſenkte den Kopf mit allen Zeichen wahrer Reue.
„Gut, mein Freund,“ ſagte der Abbé,„Ihr habt offen ge⸗ ſprochen; ſich ſelbſt anklagen verdient Vergebung.“
„Unglücklicherweiſe,“ ſprach Caderouſſe,„iſt Edmond geſtorben, ohne mir vergeben zu können.“
„Er wußte es nicht,“ ſagte der Abbé.
„Aber jetzt weiß er es vielleicht,“ verſetzte Caderouſſe;„man ſagt ja, die Todten wiſſen Alles.“
Ein augenblickliches Schweigen trat ein, der Abbé war auf⸗


