Teil eines Werkes 
2 (1870)
Entstehung
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geworfen zu werden; er bat noch um acht Tage Friſt, die ihm gewährt wurde. Ich erfuhr dieſe Umſtände von dem Hausbeſitzer, der von ihm kommend, bei mir einſprach. Während der drei erſten Tage hörte ich ihn noch wie gewöhnlich über mir gehen; am vierten Tage hörte ich nichts mehr. Ich wagte es, hinauf zu gehen, die Thüre war verſchloſſen; aber durch das Schlüſſelloch ſehend, fand ich ihn ſo krank und abgefallen, daß ich Herrn Morrel benachrichtigen ließ und Mercedes holte. Beide beeilten ſich zu kommen. Herr Morrel brachte einen Arzt mit; dieſer erkannte eine Darmentzünd⸗ ung und verordnete Diät. Ich war gegenwärtig, Herr Abbé, und werde nie das Lächeln des Greiſes bei dieſer Verordnung vergeſſen. Von da an ſchloß er ſich nicht mehr ein; er hatte eine Entſchuldig⸗ ung, daß er nichts, der Arzt hatte ja Diät verordnet.

Der Abbé ſtieß ein dumpfes Stöhnen aus.

Die Geſchichte erregt Ihre Theilnahme, nicht wahr, Herr Abbé?

Ja, antwortete der Abbé,ſie iſt rührend.

Mercedes fand ihn jedes Mal, wenn ſie kam, mehr verfallen und beſtand darauf, ihn zu ſich bringen zu laſſen. Auch Herr Morrel war dieſer Meinung und wollte den Umzug beſorgen; aber der Greis war ſo böſe, daß ſie ſich zuletzt fürchteten. Mercedes blieb an ſeinem Bette, Herr Morrel entfernte ſich und zeigte der Catalonierin eine Börſe, die er auf den Sims des Kamins legte. Aber, ſich auf die Anordnung des Arztes berufend, ſchlug der Kranke alle ihm gebotenen Nahrungsmittel aus. Endlich verſchied der Greis, nachdem er noch neun Tage in Faſten und Verzweiflung hingebracht hatte, diejenigen, welche an ſeinem Unglücke ſchuld waren, ver⸗ fluchend, mit den an Mercedes gerichteten Worten: Wenn Du meinen Edmond wiederſiehſt, ſo ſage ihm, daß ich ihn ſegnend ſterbe.

Der Abbé ſtand auf, ging einige Male in dem Gemache umher, mit zitternder Hand ſeine trockene Kehle berührend.

Und Ihr glaubt, er ſtarb?

Vor Hunger... Herr Abbé, vor Hunger, ſagte Caderouſſe; ich ſtehe dafür, ſo gewiß wir Beide Chriſten ſind.

Mit krampfhaft bebender Hand ergriff der Abbé das noch halb gefüllte Glas Waſſer, leerte es in einem Zuge und ſetzte ſich mit gerötheten Augen und bleichen Wangen wieder in ſeinen Winkel.