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wiederzuſehen und die Unmöglichkeit, den Anblick deſſelben zu ertragen; dann flog er hinunter auf die Inſel, ſie, ungebahnt wie ſie war, nach allen Richtungen durchlaufend, verjagte die wilden Ziegen und erſchreckte die Seevögel durch ſeine Geberden und Aus⸗ rufungen. Als er ſich müde getobt hatte, kam er langſam, immer noch an der Wirklichkeit ſeines Glücks zweifelnd, wieder zu der Höhle und flog mehr als er ging zu ſeiner Gold- und Diamantengrube hin. Jetzt fiel er, ſein überwallendes Herz mit beiden Händen zu⸗ rückdrängend, auf die Kniee und ſtammelte ein Gebet, das nur Gott allein verſtand. Nun ſühlte er ſich ruhiger und unendlich viel glücklicher, denn nun erſt begann er an ſein Glück zu glauben.
Jetzt fing er an, ſeinen Reichthum zu zählen, es waren tauſend Goldbarren, jede von zwei bis drei Pfund Gewicht. Dann häufelte er fünfundzwanzigtauſend Goldthaler auf, wovon der Werth eines jeden ungefähr achtzig Franken jetzigen Geldes betrug und die alle das Gepräge des Papſtes Alexanders VI. oder eines ſeiner Vor⸗ gänger trugen, und nun war die Abtheilung erſt halb geleert. End⸗ lich fand er an Perlen, Diamanten und Steinen, deren mehrere durch ihre kunſtvolle Faſſung um das Doppelte ihres Werthes er⸗ höht waren, zehn Mal ſo viel, als ſeine beiden geöffneten Hände faſſen konnten.
Dantes ſah nach und nach den Tag ſich neigen, und endlich gänzliche Dunkelheit die Höhle erfüllen. Fürchtend, überraſcht zu werden, nahm er ſeine Büchſe und verließ die Höhle. Er ſtärkte ſich durch etwas Wein und Zwieback, legte dann den Stein auf die Oeffnung, ſich darauf und ſchlief ſo, den Eingang zu ſeinen Reich⸗ thümern mit ſeinem Körper ſchützend, kaum einige Stunden. Dieſe Nacht war eine jener köſtlichen und zugleich entſetzlichen, wie dieſer Mann mit ſo heftigen Empfindungen, deren ſchon mehrere in ſeinem Leben gehabt hatte.


